Mono, Poly & Co

Dein Wissens-Podcast rund um Beziehungsgestaltung

#145 - Beziehungsqualität: Kann ich wirklich ich sein in einer romantischen Partnerschaft ?

Und ist das wirklich ein guter Messpunkt für gute Beziehungen?

27.09.2026 51 min

Zusammenfassung & Show Notes

Wie gelingt es, in Langzeitbeziehungen ich selbst zu sein? Sonja spricht mit Jana über Identität, Sicherheit und reife Authentizität.

In dieser Folge taucht Sonja mit der systemischen Familientherapeutin Jana in die Frage ein, was „ich selbst sein“ in romantischen Langzeitbeziehungen bedeuten kann. Es geht um innere Anteile, Sicherheit als Voraussetzung für Sichtbarkeit, Kapazitätsgrenzen im Alltag und darum, wie reife Authentizität mit Selbstverantwortung und Rücksicht zusammengeht. Aufgenommen in ruhiger Stimmung in Plothen.

📌 Themen dieser Folge:

  • Was heißt „ich selbst sein“?

  • Sicherheit als Voraussetzung

  • Alltag und Kapazität

  • Reife Authentizität: ehrlich sein, sich regulieren, Verantwortung übernehmen

  • Masking und Anpassung: auch angepasste Teile gehören zum „Ich“

  • Polyamorie, Inselpartnerschaften und Ergänzungspotenziale

  • Eigenverantwortung statt Ausrede

💡 Das Wichtigste in Kürze:

  • „Ich selbst sein“ ist dynamisch

  • Ein Gefühl von Sicherheit erleichtert authentisches Zeigen.

  • „Können wir das später besprechen?" ist ein Beziehungsretter

  • Reife Authentizität = ehrlich sein plus Regulierung und Rücksicht.

  • Angepasste/Masking-Anteile sind echte Teile deiner Identität – sie brauchen Beachtung.

  • Außenbeziehungen können ergänzen, sind aber kein Automatismus: Klarheit, Absprachen und Mut sind nötig.

  • Eigenverantwortung: Bedürfnisse benennen, Veränderungen angehen statt Ausreden pflegen.

  • Selbstkenntnis (innere Landkarte) erhöht Wahlmöglichkeiten und entlastet Beziehungen.

🔗 Links & Ressourcen zur Folge:


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Transkript

Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst, mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst, nutze gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das was dich bewegt und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.
Sonja Jüngling
00:00:35
Hey ho und willkommen zu einer neuen Interview-Folge. Ich möchte dir am Anfang wie immer sagen, was dich heute erwartet und warum du die Folge hören solltest. Vielleicht fragst du dich manchmal, was ist eine gute Beziehung und denkst über Beziehungsqualität nach und hörst dann so Sachen wie entweder es hält für immer oder es ist ganz leicht oder eben du kannst, du hast das Gefühl, du kannst du selbst sein. Und über genau diese Frage unterhalte ich mich mit Jana, die ich aus verschiedenen Gründen schon länger für kompetent halte, um mit mir dieses Gespräch zu führen. Unter anderem deswegen, weil wir ganz wunderbar philosophieren können und das tun wir. Denn ein Ergebnis gibt es da natürlich nicht, aber vielleicht den ein oder anderen Denkanstoß. Also wenn du wissen willst, ist das überhaupt wichtig für mich und was heißt das, dann lohnt es sich total, diese heutige Folge zu hören. Genau, ich habe versucht, das so ein bisschen vom Aufbau her zu machen, wie immer, dass wir erst über die Definition sprechen und dann so ein bisschen inhaltlich darauf eingehen, woran erkennen wir das, was können wir eigentlich tun. Und du kannst ja mal schauen, ob sich das für dich gut anfühlt. Und wenn nicht, darfst du mir da gerne was zu sagen. Und wenn es sich gut anfühlt, darfst du mir da auch gerne was zu sagen. Ich finde die Folge sehr gelungen. Ich hatte viel Spaß dabei. Ich glaube, ich hätte noch ohne Ende sprechen können, zumal wir uns. In Plothen aufgehalten haben. Das ist ein kleiner Ort irgendwo im Osten an einer Landschaft, die sich nennt, ich weiß nicht, irgendwas der Tausend Teiche. Und da ist wirklich eine ganz besondere Stimmung, viel Frieden, viel Freiheit, viel Einfachsein. Und das war so der perfekte Ort für dieses Interview. Und ich wünsche dir jetzt ganz viel Spaß dabei und hoffe, du kannst für dich einiges mitnehmen. Und wenn du am Ende mir sagen möchtest, was du eigentlich dazu denkst, dann immer her damit, weil das Thema interessiert mich brennend. Viel Spaß beim Interview. Guten Tag zusammen und willkommen zu einer neuen Interview-Folge hier bei MoPoCo. Ich sitze in Plothen, das ist ganz weit im Osten. Mir gegenüber sitzt Jana. Hallo Jana.
Jana
00:02:36
Hallo Sonja.
Sonja Jüngling
00:02:38
Wir unterhalten uns heute über ein Thema, das mich schon länger rumtreibt, nämlich die Frage, kann ich in langzeitbeziehungen, in romantischen Langzeitbeziehungen ich selbst sein? Das beschäftigt mich viel, das beschäftigt Jana viel und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir da keine endgültige Antwort drauf kriegen, Aber ich möchte mit Jana ein bisschen rumfabulieren, denn Jana ist mir bei solchen Gesprächen ein sehr wertvolles Gegenüber. Jana und ich kenne schon eine Weile länger und Jana ist eine Kollegin von mir, die ist nämlich auch systemische Familientherapeutin. Ich bekomme mal einen Nicken. Vielleicht magst du dich einmal kurz vorstellen.
Jana
00:03:12
Ja, das hast du schon richtig gesagt. Also systemische Familientherapeutin, das verbindet uns auf jeden Fall. Ansonsten habe ich irgendwann vor Monden mal Psychologie studiert und arbeite jetzt schon ganz lange freiberuflich in eigener Praxis auch und auch in einem Weiterbildungsinstitut, wo ich diese Menschen ausbilden darf.
Sonja Jüngling
00:03:34
Genau, also da sind wir auch KollegInnen. Das machen wir manchmal in Gruppen zusammen. Das ist ein Institut, was eben Menschen dabei begleitet oder die ausbildet in Richtung systemische Beratung, systemische Therapie. Aber du hast noch ganz viele andere Sachen gemacht. Du hast irgendwie eine traumasensible Ausbildung, Fortbildung gemacht. Magst du erzählen, was du sonst noch alles so an Fortbildungen dir drauf geschafft hast? Weil du bist ja schon lange selbstständig, ne?
Jana
00:03:58
Ja, schon 13 Jahre glaube ich mittlerweile und ich habe eine Zeit lang Parallelfestanstellung gehabt und freiberuflich unterwegs gewesen. Viele Jahre Jugendhilfe, also so Menschen, die auf den ersten Blick gar nicht viel wollen und parallel leben in der Praxis, wo Menschen kommen und scheinbar ganz viel wollen. Also diese Pole habe ich ein paar Jahre parallel gemacht, die fand ich super und die traumasensible Ausbildung, genau, die hat nochmal ganz viel verändert, auch in meinem systemischen Denken und Arbeiten. Ich mag einfach diese Kombination und kann die mir echt alleine gar nicht vorstellen mehr.
Sonja Jüngling
00:04:36
Und wenn du so auf deinen typischen Arbeitsalltag guckst, wie viel würdest du sagen, begleitest du Einzelklientis, arbeitest du auch mit Paaren und wie viel bist du als Dozierende unterwegs und wie viel Raum nimmt die Leitung eines Instituts?
Jana
00:04:49
Das ist eine gute Frage. Ich denke, ich bin vorrangig einzeltherapeutisch unterwegs. Das macht bestimmt... In meiner therapeutischen Arbeit 90 Prozent aus. Ich habe auch mal Paare, aber ich mache nicht so gern Paararbeit wie du. Das haben wir ja schon festgestellt. Die überlasse ich gerne immer meinem Mann, der mit in der Praxis arbeitet. Und ansonsten, ich würde sagen, ausbildungs- oder weiterbildungstechnisch vielleicht so 20 Prozent, 30 Prozent. Je nachdem, was wir für eine Jahreszeit haben. Und genau, eher einzeln.
Sonja Jüngling
00:05:27
Okay, und du hast auch den HP Psych, also den Heilpraktiker für Psychotherapie, das heißt du darfst und machst auch therapeutische Sitzungen tatsächlich, was natürlich super ist für einen Traumahintergrund. Hast du mir auch schon von ein paar Sitzungen erzählt, wo ich immer Strahlaugen kriege, passieren tolle Sachen. Genau. Wir unterhalten uns ganz oft über Beziehungen und Beziehungskonzepte und so. Und mir ist in letzter Zeit immer wieder die Frage, also es gibt ja Menschen, die sagen, in einer guten Beziehung kann ich selbst sein. Und ich frage mich, ob das stimmt. Also ganz rebellisch frage ich mich, ist das überhaupt ein Qualitätsmerkmal? Möchte ich das immer sein? Und was heißt das überhaupt? Und bin ich in einer romantischen Langzeit-Lebensgemeinschaft, egal ob ich Poly oder Mono oder beziehungsanarchistisch lebe, aber bin ich da nicht eigentlich viel zu abhängig von der anderen Person, um immer ich selbst zu sein? Und, das hat meine Schwester so eingebracht, will ich das überhaupt? Will ich diesem Menschen die schlechteste Version oder die beste Version von mir zumuten? Genau, und darüber würde ich mich total gerne mit dir unterhalten. Und vielleicht fangen wir so an, wie ich das immer in meinen Podcast-Folgen mache. Wir definieren. Also was heißt denn, ich darf, ich will ich selbst sein? Was meinst du?
Jana
00:06:48
Das ist so eine große Frage. Wie lange hast du Zeit heute? Ich glaube tatsächlich, das ist, Per se gar nicht zu beantworten, dieses Was-ist-das-ich-selbst zu sein, weil ich glaube, ich weiß gar nicht, ob wir je in unserem Leben an den Punkt kommen, zu wissen, das bin ich jetzt. So wie als wäre das irgendwie so ein Kern, der irgendwo in uns drin setzt, als müsste der irgendwie freigebuddelt werden und irgendwann haben wir eine in der Hand und dann wissen wir, wer wir sind. In meiner Erfahrung ist das eher so, dass wir zu verschiedenen Zeitpunkten unseres Lebens tatsächlich auch verschieden sind. Vielleicht auch dieser Kern gefärbt ist vom Außen, sich verändert in Größe, wenn es ihn denn überhaupt gibt. Und dieses, ich möchte gern ich selbst sein oder kann ich ich selbst sein, dazu würde das ja voraussetzen, dass wir uns damit beschäftigt haben, wer wir überhaupt sind. Und das machen schon viele Menschen gar nicht aktiv. Häufig kommen wir dahin, wenn wir irgendwie an Krisen, gelangen und gefühlt müssen, weil wir genug leiden und uns mal damit auseinandersetzen, wer bin ich denn eigentlich oder welche Teile gibt es denn in mir? Und vorher sagen wir das oft, glaube ich, so einfach als Floskel. Ach ja, da kann ich ganz ich selbst sein, einfach nur, weil es sich irgendwie gerade schön anfühlt. Ich glaube, wir verbinden ganz oft, ich selbst sein zu können mit diesem, ach, es ist alles so schön. Also wenn wir uns so angenommen fühlen oder eben nicht, wenn wir es irgendwo nicht fühlen, dann eben auch, ich kann hier gar nicht ich selbst sein. Und manchmal hat dieses Ich-Selbst-Sein gar keinen näher betrachteten Inhalt. Also es ist oft so ein Rahmen, den wir benutzen und sagen und wenn uns jemand fragen würde, na wie bist du denn oder wie würdest du denn gern sein, kenne ich das von vielen Menschen, dann kommen die erst mal ins, ja tatsächlich.
Sonja Jüngling
00:08:45
Also was ich höre, ist, dass du das erlebst und die Erfahrung teile ich, wenn ich richtig fabuliere. Das ist eher so ein Synonym für, ich fühle mich sicher, ich bin sicher, ich fühle mich entspannt, ich bin gelassen ist.
Jana
00:09:02
Ja, die meisten Menschen benutzen das in so einem Kontext von, genau, ich fühle mich gesehen, ich bin entspannt, ich bin ruhig. Es ist eher verbunden mit so einem was Angenehmen.
Sonja Jüngling
00:09:14
Ja.
Jana
00:09:15
Ja, beziehungsweise ich kann nicht ich selbst sein, dann als andrer Pol, das ist dann häufig so ein unangenehmes.
Sonja Jüngling
00:09:22
Ja, und vielleicht auch so eine Anspannung, dass ich immer auf der Hut sein muss oder so. Da wäre natürlich die Frage, Menschen, die eine Überanspannung aus ihrer Kindheit mitgenommen haben, ob die überhaupt irgendwann sich fühlen, dass sie sich selbst sein können in dieser Definition. Ja, also die Erfahrung teile ich, also das ist irgendwas mit Gelassenheit und keiner Anspannung und Sicherheitsgefühl zu tun hat. Und ich teile auch, was du gesagt hast, dass die meisten es gar nicht wissen und vielleicht auch gar nicht so richtig wissen wollen. Und ich glaube auch, dass sich das verändert über die Zeit. Also ich glaube nicht, dass sich mein Kern-Ich irgendwie über die Zeit verändert, aber ich glaube, dass je nach Lebensphase und Situation verschiedene Kern-Ich-Anteile so rauskommen. Und ich glaube, also nehmen wir mal an, ich hätte drei Leute, bei denen ich das Gefühl habe, ich kann ich selbst sein. Wo ich sagen würde, das heißt, ich kann alle Gedanken aussprechen, die ich habe. Das wäre so meine Definition davon, weil ich weiß, dass ich öfter mal Sachen denke, die Menschen als schwierig empfinden. Aber selbst wenn ich drei Leute hätte, bei denen ich sage, und vielleicht sind es sogar mehr, da kann ich immer aussprechen, was ich denke oder meistens aussprechen, was ich denke, ohne dass es einen riesen Eklat gibt. Dann heißt das trotzdem nicht, dass die Person die gleiche ist, weil ich bin mit dir eine andere Person, als ich mit anderen Menschen bin. Und also im Podcast-Intro steht ja Gegensatzaushalterin und Gegensatz, also das mache ich wirklich. Also sehr, sehr enge Menschen behaupten von mir, dass ich nicht nur Ambivalenzen habe, das bedeutet ja zwei, sondern teilweise drei, vier, fünf, sechs Sachen, sehr starke Meinungen habe. Und das stimmt auch. Und damit kämpfe ich auch manchmal, dass ich halt so viele unterschiedliche, sich widersprechende Sichtweisen habe. Und. Ich habe keine dissoziative Persönlichkeitsstörung oder sowas, aber ich glaube, von mir gibt es wirklich mehrere Versionen. Und ich würde schätzen, wenn ich so meine Beratung angucke, meine Freundys angucke, nickst auch die ganze Zeit fleißig, dass es eigentlich für jeden Menschen zutrifft, oder?
Jana
00:11:19
Auf jeden Fall, bin ich völlig bei dir. Also ich denke, wir sind, wenn wir, je nachdem, auf wen wir treffen, wie eng wir mit der Person sind, aber manchmal auch in welchem Kontext wir unterwegs sind. Also ich bin auch nicht mit einer Person in jedem Kontext gleich. Das spricht ja auch, braucht ja auch verschiedene Anteile in manchen Situationen. Ich habe viele Menschen, mit denen bin ich befreundet und kollegial verbunden, manchmal sogar familiär und das ist manchmal auch eine Herausforderung zu gucken, welchen Teil von mir packe ich denn jetzt wohin. Also es ist nicht nur von den Menschen, sondern ich glaube auch vom Kontext abhängig.
Sonja Jüngling
00:11:53
Ja, und also ich habe ja 15 Jahre in der Pharmabranche gearbeitet und natürlich kann ich, wenn ich dann in der Frankfurter Oper sitze und mit Anzug und Krawettchen und so, da kann ich natürlich nicht das gleiche Vokabular benutzen zum Beispiel und es gibt andere Benimmregeln und so weiter. Ich würde aber nicht sagen, dass ich da nicht ich selbst sein kann. Also es gab sicherlich Stellen, da wollte ich nicht ich selbst sein, weil es so gefährlich war, weil da wichtige Menschen mit am Tisch saßen und ich einfach eine Rolle spielen musste. Aber wenn ich mit meinen KollegInnen an einem getrennten Tisch gesessen habe, dann konnte ich schon ich selbst sein. Aber das war trotzdem nicht das Ich, das du jetzt kennst, weil es eben auch auf den Kontext, also auf das Umfeld und die in dem Umfeld geltenden sozialen Regeln ankommt. Aber da wären wir wieder bei der Definition. Was heißt das eigentlich? Also ich glaube, ich würde es auch gleichsetzen, so ein bisschen mit innerlicher Freiheit, dass ich den Eindruck habe, dass das okay ist, wie ich bin, das okay ist, was ich mache. Das heißt nicht, dass immer alles super easy peasy und entspannt ist und so. Ja, haben wir schon drei Definitionen.
Jana
00:13:00
Ich glaube, was mir gerade noch einfällt, ist auch sowas wie, und ich kann Dinge ansprechen, von denen ich spüre oder glaube, dass sie, für den Moment irgendwie wichtig sind, auch für die Beziehung. Also, dass ich nichts zurückhalten muss, was in dem Moment die Situation irgendwie zu einer anderen macht. Also, wenn ich wichtige teile, die von mir in dem Moment zu der Situation gehören.
Sonja Jüngling
00:13:27
Die Situation verändert sich natürlich durch das, was du sagst. Aber dass es halt okay ist.
Jana
00:13:32
Genau.
Sonja Jüngling
00:13:33
Ja, und man sagt ja zum Beispiel auch, also, ich habe ja eine sehr gefühlsstarke Tochter. Und wenn ich dann in der Schule saß und wir alle dann sagen, naja, also ihre Tochter ist ja ganz wohlerzogen und ganz anpassungsfähig und total ruhig, dann denke ich mir, wer ist dieses Kind? Und dann haben wir die ganzen Therapeutis oder Sozialarbeit, also die Menschen in der Kita, die mir geholfen haben, damit klarzukommen, haben immer gesagt, es ist doch super toll, dass sie sich bei dir traut, alles rauszulassen und sie selbst zu sein. Da hört man es dann halt auch wieder. Oder das ich selbst sein wird manchmal eben auch gleichgesetzt mit Arschloch sein oder mit ungefiltert sein oder mit... Auch die schlechten Sachen zeigen vielleicht?
Jana
00:14:15
Ja, also eben alle Farben, die ich in mir habe, auch zeigen zu können, zeigen zu wollen, manchmal auch zeigen zu müssen. Ich glaube, manchmal haben wir es ja, wir bilden uns ja ein, viel unter Kontrolle zu haben, was wir zeigen. Und oft zeigt sich, dass das gar nicht so ist. Also wenn wir uns gerade nicht regulieren können, uns Situationen völlig überfordern, ich glaube, dann zeigen wir schon manchmal auch Teile von uns. Und wenn wir die Wahl hätten, würden wir uns vielleicht manchmal fragen, ob das gerade klug ist, die zu zeigen. Manchmal passiert es auch einfach und fühlt sich aber danach nicht gut an.
Sonja Jüngling
00:14:48
Und manchmal fühlt es sich gut an und dann ist es vielleicht so, dass ich denke, hier kann ich ich selbst sein.
Jana
00:14:53
Genau, also manchmal passiert es auch, wenn das mal so, ich sage mal, aus Versehen passiert, es kommt irgendwas raus. Und mit jemandem zusammen, dem ich das vielleicht, wenn ich vorher darüber nachgedacht hätte, gar nicht geteilt hätte von mir. Also da ergeben sich ja auch manchmal Beziehungen, Verbindungen, mit denen ich gar nicht gerechnet hätte, dass dieses Gegenüber das so gut annehmen kann. Also manchmal sind so diese Fauxpas auch ein Geschenk, weil wir manchmal glauben, manche Teile von uns gar nicht zumuten zu können und für viele andere Menschen ist das vielleicht gar kein Ding.
Sonja Jüngling
00:15:28
Also so ein bisschen vorauseilendes Gehorsam. Ich bin nicht ich selbst aus Rücksicht, obwohl ich gar nicht weiß, ob die andere Person sich das überhaupt wünscht.
Jana
00:15:34
Genau.
Sonja Jüngling
00:15:36
Und, manchmal ist es auch, Also du hast gerade gesagt, die verschiedenen Farben. Also es sind sowohl Stimmungen, die ich dann zeigen kann, die ich sonst vielleicht nicht zeige, aber auch Gefühle. Und was mir in Beratungen oft gespiegelt wird, ist, dass sie sagen, ich kann hier ich selbst sein. Und ich habe das Gefühl, hier ist alles okay, was ich mache. Also das ist natürlich logisch. Also so sollte es ja sein. So funktioniert Beratung. Und gleichzeitig finde ich es auch irgendwie verständlich, dass es da ist, weil da ist alles so geklärt. Es ist halt klar, ich bezahle einen bestimmten Betrag. Ich habe keine soziale Schuld. Ich bin dafür da, um über meine Gefühle zu sprechen. Aber da ist vielleicht dann wieder die Definition von hier fühle ich mich sicher, der Punkt, und nicht, ich bin ich selbst.
Jana
00:16:31
Ja, sich sicher fühlen, das ist so in meiner Erfahrung, also gerade in der therapeutischen Arbeit, also gerade wenn ich so Richtung Traumatherapie denke, glauben wir manchmal, dass Menschen sich sicher fühlen und sie tun es gar nicht, weil die können es per se nicht. Und wir denken aber, okay, bei uns steht das dran und ich bin doch irgendwie hilfreich oder soll es zumindest per Beruf sein. Und Menschen fühlen sich oft gar nicht sicher. Ja. Ich glaube, es hängt wirklich eng zusammen. Sich sicher fühlen und, je länger ich drüber nachdenke, dieses sich sicher fühlen und ich selbst sein zu können, hat schon viel miteinander zu tun.
Sonja Jüngling
00:17:05
Ja, das glaube ich auch.
Jana
00:17:08
Und ich weiß gar nicht, ob es so Situationen gibt, wo Menschen das Gefühl haben, wirklich alles, was zu mir gehört oder alles, was mich ausmacht, trägt jetzt dieser Moment. Wahrscheinlich können wir die irgendwie an zwei Händen abzählen im Leben. Ich glaube, das sind ziemlich besondere Momente. Vielleicht auch Momente mit nicht viel Worten oder so.
Sonja Jüngling
00:17:31
Ja, und wenn ich die Definition nehme, ich fühle mich sicher, alles auszusprechen, was in mir lebendig ist. Vielleicht nicht zu jedem Zeitpunkt, und nicht auf jede Weise, aber so grundsätzlich. Ja. Dann verstehe ich natürlich, warum manche Menschen sagen, das ist eine gute Beziehung, wenn ich ich selbst sein kann, weil, also wenn wir jetzt die klassische romantische Lebensgemeinschaft nehmen, Menschen haben vielleicht Kinder, zusammen wohnen, zusammen sehen sich also ziemlich häufig, dann ist natürlich sich sicher zu fühlen und ich selbst sein zu können mit allem, was da ist, total essentiell, weil wenn ich mit jemandem zusammen bin oder viel Zeit verbringe, wo ich mich die ganze Zeit zusammen nehmen muss und aufpassen muss, was ich sage, dann ist das natürlich einfach super anstrengend.
Jana
00:18:15
Auf jeden Fall.
Sonja Jüngling
00:18:17
Das heißt, also es ist schon wünschenswert, so sicher zu sein, dass ich mich traue, mich zu zeigen in einer romantischen Langzeitbeziehung. Aber ist es möglich? Das ist halt die große Frage.
Jana
00:18:30
Das ist die große Frage. Also ich glaube schon, dass es immer wieder Momente gibt, auch in Langzeitbeziehungen, wo das gar nicht, also ich weiß nicht, ob nicht geht, aber vielleicht auch nicht die Situation, das immer braucht oder halten kann. Da ist so viel drumherum, auch in romantischen Langzeitbeziehungen, da ist so viel Leben drumherum, so viel irgendwie auch häufig funktionieren müssen, abarbeiten müssen. Da haben nicht immer alle Teile von mir Platz. Und ich glaube, da kommen wir wieder auf, was beinhaltet. Denn genau dieses Ich-Selbst-Sein-Alles, wenn ich das jetzt mal betrachte für alles, was in einem Moment in mir besonders lebendig ist, dann heißt das ja auch nicht immer, dass ich daraus ein Riesengespräch machen muss oder das muss gar nichts Großes sein. Ich glaube, es ist schon viel geholfen, wenn ich sagen kann, du, ich weiß, das hat jetzt hier keinen Platz oder wir haben jetzt keine Zeit und das ist auch gerade da, können wir das irgendwie später nochmal angucken oder ich muss es einmal aussprechen, damit ich alles andere machen kann, was heute noch ansteht oder sowas.
Sonja Jüngling
00:19:36
Ja, ich glaube, da sprichst du was ganz, ganz Wesentliches an. Also in meiner Beratung... Also ich habe keine Prozentzahlen, aber es sind wirklich häufig Menschen, die Kinder im Alter zwischen, also bis 16 sowas haben, bis 15. Und da ist einfach das Leben so dicht und die Menschen sind so an ihrer Kapazitätsgrenze und die Politik und alle sorgt ja nicht dafür, dass es irgendwie entspannter wird für Eltern. Also es wird für niemanden entspannter, versteht mich da nicht falsch, aber, also es ist ja wirklich, also da ist viel funktionieren, wenig, also da passiert ja auch wenig Paar.
Jana
00:20:13
Klar.
Sonja Jüngling
00:20:14
Und selbst wenn dann eine Person gerade in der Stimmung ist, auch mal was Gehaltvolleres zu besprechen, als wann, wer holt morgen das Kind ab und wer bringt den Kuchen wohin. Nur weil eine Person Kapazitäten dafür hat, heißt es ja nicht, dass die andere das hat. Und selbst wenn es von der Zeit her passt, was super selten der Fall ist, dann sind die emotionalen Kapazitäten ja nicht da. Also ich glaube, dass es in meinem Leben durchaus Momente gibt, wo ich das gut funktionierende, das gut geölte Team nicht mit meinen Prozessen stören will, sondern die lieber außerhalb machen. Also selbst wenn der Prozess nicht mit meiner Partnerperson oder mit meiner Lebensgemeinschaftsperson ist, ja. Also das könnte halt, egal was für ein Prozess es ist, egal was für eine Stimmung, oder Gefühl es ist, es könnte halt diese gut geölte Maschine zum Stolpern bringen. Und das möchte ich vielleicht einfach gar nicht.
Jana
00:21:12
Ja, das möchtest du nicht, weil vielleicht der Tag schon anstrengend genug war, und das jetzt einfach mal gut ist, wenn irgendwie Ruhe ist oder wir zusammen einen Podcast hören oder irgendwas gucken oder einfach auch mal schlafen. Und dann glaube ich, dass da manchmal was verquerläuft in dieser Definition von Ich-Selbst-Sein, wo dann häufig in so Einzelmomente, in so einer Partnerschaft so viel, Erwartung oder Hoffnung reingelegt wird und jetzt, also das wird vielleicht nicht so definiert, aber so vom Inneren, jetzt kann ich Ich-Selbst-Sein oder wir können jetzt Paar sein und dann muss das jetzt alles in dieser Zeit stattfinden, und ich glaube, da ist das Kind schon im Brunnen gefallen, Weil im Grunde ist doch dann in solchen Momenten häufig eher so ein Ich-Selbst-Sein. Ich bin völlig am Ende. Das war so und so ein Tag. Und wenn das meine Partnerperson leben kann und einfach nur hören kann und vielleicht sagen kann, ich auch. Das ist doch vielleicht, ich denke gerade so drüber nach, vielleicht am meisten, Ich-Selbst-Sein. Einfach das, was gerade da ist, erst mal auszusprechen, bevor es jetzt bitte schön sein soll.
Sonja Jüngling
00:22:21
Naja, aber dann kommt halt auch, ja, also bin ich ganz bei dir, aber wenn das zu so einer Situation kommt, dann haben ja auch beide leere Akkus und sind needy, also die brauchen dann irgendwas. Und ich erlebe es eigentlich eher, dass es dann nicht so läuft, oh ja, ich auch, ganz schön anstrengend, sondern dass die andere Person dann sagt, ja, was glaubst du denn, wie es mir geht? Mir geht es, und dann fängt das an, sich so in Konkurrenz zu gehen und so. Und dann ist die Stimmung natürlich direkt vergiftet und dann fühlt man sich, glaube ich, nicht wie ich selbst sein.
Jana
00:22:52
Ja, voll, das meinte ich auch so. Also dieses, es wäre so ein ich selbst sein können, wenn das die andere Person sagen könnte auf dein, ich bin gerade total am Ende und die andere könnte sagen, oh ja, wie war denn dein Tag? Und bei mir war es so und so nicht, aber bei mir war das und das los. Das stimmt völlig bei dir, das ist das, was oft passiert. So ein Battle darum, wer hat es eigentlich schlechter oder wer hat heute mehr gebubbt. Und im Grunde braucht es das gar nicht, wenn jetzt wirklich beide erschöpft sind. Das ist doch eine wundervolle Gemeinsamkeit, gerade zusammen völlig im Eimer zu sein.
Sonja Jüngling
00:23:25
Und das ist ja auch de facto so im Leben. Also als Eltern vor allen Dingen, aber auch als Single, wenn du irgendwie harte Jobs hast und irgendwie oder gerade auf die Neffen aufgepasst hast oder was. Ich bin immer wieder beim Kinderthema, weil das so schrecklich überfordernd ist. Aber das heißt, ich selbst sein heißt eigentlich gar nicht, dass ich ausspreche, was gerade ist, sondern dass meine Erwartung, wie damit umgegangen wird, erfüllt wird.
Jana
00:23:49
Ja. Erwartung, Hoffnung, Wunsch. Und da ist wieder die Frage, wie sehr kann ich das aussprechen? Ja. Also inwiefern habe ich die Erwartung, dass die andere Person irgendwie weiß, was ich jetzt brauche, weil die kennt mich doch schon 15 Jahre oder so.
Sonja Jüngling
00:24:03
Und dann ist es ja gar kein Wunsch mehr. Mein Wunsch kann ja auch abgelehnt werden. Das ist eine Forderung.
Jana
00:24:08
Und wie viel Kapazität habe ich aber vielleicht auch noch irgendwie einen Wunsch angemessen zu formulieren? Dazu brauche ich auch noch Kapazitäten.
Sonja Jüngling
00:24:15
Ach, das stimmt, ja.
Jana
00:24:16
Ja, und dann passiert es, glaube ich, einfach manchmal, gerade in so Langzeitbeziehungen ganz schnell, so dieses, naja, wenn ich so einen Tag hatte und der oder die hat doch meinen Kalender gesehen, dann muss doch jetzt klar sein, dass irgendwie, keine Ahnung, Essen fertig sein soll oder so, wenn ich heimkomme. Und gleichzeitig ist es manchmal, glaube ich, schon so, dass, ja, wie gesagt, ich habe vielleicht keine Zeit oder denke mich dran oder erwarte oder habe irgendwie keine Löffel mehr, jetzt noch Wünsche zu formulieren.
Sonja Jüngling
00:24:41
Ja, und schon erst recht keine mehr Wünsche zu beantworten oder zu erfüllen. Ja, ja. Meine Gedanken gingen ja auch so ein bisschen in die Richtung, dass wenn du eine romantische Langzeitlebensgemeinschaft hast, also wirklich endverknüpft, viel Zeit miteinander, wohnen zusammen, Finanzen zusammen und so, dass du dann so voneinander abhängig bist, dass du es dir gar nicht erlauben kannst, du selbst zu sein, weil du zu viel aufs Spiel setzt. Weil ich selbst sein heißt ja nicht nur ich kann kritik anbringen oder sagen was gerade ambach ist sondern also ich sage ganz oft jeder mensch ist zehn prozent arschloch das wollen wir alle nicht wahrhaben wir wollen immer zu den guten gehören aber, das passiert halt wenn die eigenen bedürfnisse gerade überbordend dann verhalten wir uns einfach wie ein vollarsch so das tue ich das tun alle menschen gibt vielleicht menschen bei denen das mehr ist ein bisschen weniger aber so ein bisschen arschloch hat jeder in sich und. Ich selbst ja, deutet ja, dass ich dieses Arschloch auch gegenüber meiner Partnerperson rauslasse. Und wenn die aber total empfindlich ist oder wenn die keine Kapas hat oder wenn die es persönlich nimmt oder oder oder oder, dann könnte es ja sein, dass die mich doof findet und die Beziehung beendet. Und dann ist ja mein Leben am Arsch. Also ich will nicht sagen, dass man sich davon nicht erholen kann, aber wenn ich alles, also wenn ich wirklich eine Lebensgemeinschaft habe mit finanzieller Abhängigkeit, mit räumlicher Abhängigkeit, mit emotionaler Abhängigkeit, also da ist ja nichts Falsches dran, das, ist einfach die Natur der Sache, aber, Kann ich denn dann überhaupt, also kann ich dieses Arschloch dann rauslassen? Oder ist die Erwartung, also kann ich natürlich schon, aber ist das realistisch zu erwarten, dass meine Partnerperson mein Arschloch gut finden muss?
Jana
00:26:17
Nee, finde ich nicht. Das ist auch meistens nicht so. Also das ist ja das, wo ich vorhin gesagt habe, manchmal passiert das einfach. Ich entscheide mich ja in den seltensten Fällen ganz aktiv, jetzt bin ich mal Arschloch. Achtung, jetzt hast du gerade Kapazitäten dafür. Meistens passiert das ja nicht. Wenn das so wäre, ginge das, glaube ich, sogar.
Sonja Jüngling
00:26:38
Ja, glaube ich auch. Könnte man so aufteilen. Heute bist du dran, morgen bin ich dran.
Jana
00:26:42
Oder ich würde dir jetzt eine Stunde geben, beschimpf mich mal oder so. Und das passiert ja meistens nicht. Meistens geht es ja dann einfach los. Und dann können wir uns natürlich im Nachhinein immer angucken und wie du das immer so schön sagst, jeder Mensch hat gute Gründe und so und dann kann man das wieder aufräumen. Wenn das natürlich täglich passiert oder auch alle zwei Tage, kommt so eine Langzeitbeziehung irgendwann auch mal, glaube ich, an ihre Grenzen. Und ich glaube, wenn wir die Löffel dazu haben, das zu regulieren, dann ist es eher sowas, dieses Ich-Selbst-Sein in etwas, was, glaube ich, gemeinsam tragbar ist in so einer Langzeitbeziehung, hat dann eher sowas für mich mit reifer Authentizität zu tun. Also authentisch zu sein und gleichzeitig irgendwie noch, gucken zu können, was halten wir gerade zusammen oder Rücksicht zu nehmen, zu fragen, wie war dein Tag heute, wie viel kannst du von mir hören und das ist alles total wunderbar, wenn wir gut reguliert sind. Und wie viele Menschen in dieser Gesellschaft sind das immer und ständig? Und gleichzeitig hat das schon auch was mit ich selbst sein zu tun. Wenn ich gerade die Kapazitäten habe, das zu hinterfragen, ist das ja gerade ein Teil von mir. Ich kann das noch hinterfragen und kann fragen, wie ist denn das gerade und kannst du gerade aushalten? Und dann könnte ich ja auch noch fragen, kann ich gerade mal rumschimpfen, also dir mal eine Schimpftirade anhören. Und ich denke, das hat viel damit zu tun, wie gut bin ich gerade bei mir und kann Wege wirklich aktiv da oben entscheiden und je überlasteter oder angespannter ich bin, umso weniger gut wird mir das halt gelingen. Und es ist halt trotzdem in dem Moment ein Teil von mir und den muss mein Gegenüber nicht geil finden.
Sonja Jüngling
00:28:24
Ja, und da sprichst du halt auch was an die, also wie viele von uns treffen jeden Tag bewusste Entscheidungen. Also das, was du gesagt hast, das macht natürlich total Sinn, aber das erfordert ja viel Reflexion und Achtsamkeit. Also gerade wenn ich zu Hause bin, wenn ich in meinen vier Wänden bin, dann handele ich ja viel aus dem Bauch raus, ohne drüber nachzudenken. Und vielleicht ist ich selbst sein auch genau das, dass ich gar nicht drüber nachdenke, wie ich bin, sondern dass ich einfach gerade, wenn ich schlechte Laune habe und ein Resting Bitface habe und scheiße aussehe, dann lasse ich das halt so. Aber das bedeutet eben auch, dass die Partnerperson wirklich auch die schlechteste Version von dir mitbekommt, wenn du sagst, ich will eigentlich immer ich selbst sein. Und, wenn ich immer ich selbst sein, also Und manchmal, wenn ich dann einfach eine genervte Stimmung habe oder eine empfindliche Stimmung oder eine wütende, aggressive Stimmung habe, Also wenn ich erwarte, dass ich dann auch immer ich selbst sein kann, dann manövriere ich mich manchmal auch mehr rein. Weil wenn ich merke, ich bin irgendwie genervt, mich regt die Fliege an der Wand auf und ich nehme mich für meine Partnerperson ein bisschen zusammen oder denke, ja, das kann ich ihr eigentlich gerade nicht zumuten, also gucke ich mal, dass ich meine Stimmung verändert kriege. Das kann ja auch für mich total positiv sein.
Jana
00:29:53
Ja, und ich finde das hat auch was mit ich selbst sein zu tun.
Sonja Jüngling
00:29:56
Du meinst, dass ich aktiv daran arbeite, gerade nicht die Arschlochnummer raushängen zu lassen?
Jana
00:30:03
Genau, weil das ist ja in dem Moment trotzdem auch ein Teil von mir. Also wenn ich noch die Kapazitäten habe, darüber nachzudenken, ob mein Gegenüber das gerade irgendwie gut abkann oder was das wohl mit ihm macht und was wir danach für einen Salat auslöffeln müssen, dann ist das ja auch noch ein Teil von mir. Also dann habe ich ja auch noch einen Teil von mir, der das gerade hinterfragen kann. Und dann ist das ja schon wieder auch Ich-Selbstsein aus meiner Sicht. Und Ich-Selbstsein heißt für mich auch nicht, alles, was ich fühle, muss ich ständig ausleben. Weil ich habe durchaus, wenn ich Löffel habe, Teile in mir, die das hinterfragen können und die ja auch gewisse Moral- und Wertvorstellungen haben und sowas. Ich rede nicht über die Situation, in der wir es nicht halten können. Die laufen einfach, wie sie laufen und da kriegt jemand einfach ungefragt alles. Das passiert einfach. Und gleichzeitig, wenn ich mich zum Beispiel anpasse, weil ich weiß, meine Kinder hatten heute alle einen super stressigen Tag, weil es gerade die Schule losgegangen ist und die wollen ganz viel erzählen. Und ich hatte zwar schon sechs Therapien und habe eigentlich überhaupt gar keine Kapazitäten mehr da oben, dann gucke ich, kann ich noch was aufbringen? Und wenn nicht, dann sage ich, Leute, jeder hat zehn Minuten. Mehr ist nicht mehr. Und dann sind das doch alles Teile von mir selbst. Also auch angepasste Teile sind ja irgendwo Teile in mir. Das sind nur häufig nicht die, die wir auf Dauer so angenehm finden, weil die können wir nicht einfach so laufen lassen. Ja, also wir verbinden, glaube ich, schon auch oft dieses Ich-Selbst-Sein. Oh, ich muss einfach überhaupt nicht drüber nachdenken und jeder nimmt einfach alles ungefragt von mir. Das ist schon was, wie Langzeitbeziehung, glaube ich, nicht funktionieren kann.
Sonja Jüngling
00:31:36
Ja, und ich glaube, das würde ich auch von keinem Menschen wollen.
Jana
00:31:39
Nee, ich auch nicht.
Sonja Jüngling
00:31:41
Also das wäre, hallo? Ja. Das würde ich auch nicht machen. Und du sagst da was ganz Wichtiges, finde ich. Ich habe ja eben noch einen moralischen Anspruch. Ich muss ja hinterher auch damit leben, wie ich mich verhalten habe. Aber manchmal, also das, was ich gerade wirklich nochmal rausarbeiten wollte und was mir gerade klar geworden ist, ich habe ja auch was davon, wenn ich mich selber ein bisschen maßregle. Weil ich kann das total gut, mich in Sachen reinsteigern. Wenn ich mich aber daran hindere, dann hat nicht nur meine Partnerperson oder meine Kinder was davon, sondern habe ich auch was davon. Und ich bin trotzdem ich selbst, weil die Stimmung, in die ich dann komme, in die ich mich selber bringe, die vielleicht ein bisschen angenehmer ist als das, was ich vorher hatte, bin ja trotzdem auch ich. Problematisch wird es dann, glaube ich, nur, wenn, Wenn, da sind wir dann wieder bei Neurodivergenz und Masking, wenn du halt gezwungen bist, dich immer zusammenzureißen und das geht natürlich nicht.
Jana
00:32:38
Und dann ist auch wieder die Frage, wer ist dann dafür verantwortlich? Also dieses, am Ende bin ich ja dafür verantwortlich, wie ich mich verhalte in jeder Situation und na klar bin ich abhängig, keine Ahnung, finanziell, mit den Kindern etc. Pp. Und es macht alles was, was ich mache. Und gleichzeitig ist ja auch Maskieren etwas, was am Ende zu mir gehört. Ich habe es irgendwann mal gelernt. Es war mir irgendwann mal ein wichtiges Überlebensmittel. Lebensmittel und ich kann das meistens in die Sachen, die ich besonders früh gelernt habe, die, die mir in jedweder Situation heute, wenn ich entweder keine Löffel habe oder mich Situationen völlig überfordern, die retten mir immer den Hintern, weil die machen einfach, über die muss ich nicht nachdenken und die sind auch Teil von mir. Die sind vielleicht nicht der Teil von mir, von dem ich sagen würde, oh, da kann ich ich selbst sein. Aber was ist denn dann ich selbst? Also möchte ich bei mir, wenn ich ich selbst bin, nur die Teile, die ich selber gerne mag und die ich gerne die ganze Zeit leben würde. Aber wenn doch solche zum Beispiel angepassten oder maskierten oder völlig überspielten oder die super lustigen doch auch Teile von mir sind, dann ist die Frage, will ich das noch nicht, dass die zu mir gehören und mit reinzählen in ich bin ich selbst. Und dann ist es schon wieder meine Aufgabe, mich darum zu kümmern, wenn die doch aber zu mir gehören.
Sonja Jüngling
00:34:04
Ja, das ist echt ein guter Punkt. Ja, ich weiß gar nicht, ob vielen Leuten klar ist, dass diese genervte Person, die sie selber nicht mögen, dass es eigentlich auch ein Teil von ihnen ist.
Jana
00:34:19
Ja, oder die, die zu allem Ja und Amen sagt, die möchten ja viele in Beziehungen irgendwie nicht immer sein. Und wer macht es denn aber? Es sind ja trotzdem sie selbst. Und wenn ich dann sage, na hier kann ich nicht ich selbst sein.
Sonja Jüngling
00:34:34
Ja, und das ist dann vielleicht wirklich die Fraktion, wie eben meine Schwester, Grüße gehen raus, die sagt, ich möchte tatsächlich die beste Version von mir selbst sein mit meinem Partner. Und dann ist halt wieder die Frage, wie viel Energie verwende ich, dann diese beste Version zu sein? Und ab wann platzt das Fass dann?
Jana
00:34:52
Ja, und gleichzeitig bin ich halt für verantwortlich. Also das ist so was, was ich selber und was auch Menschen, die ich so begleiten durfte und darf, Wo ich, glaube ich, ein großes Augenmerk drauf lege. Und sie sind halt dafür verantwortlich, wie sie sein können. Und das geht mit jeder Person, glaube ich, ziemlich viel. Die Frage ist, wie viel Kraft und Zeit will ich investieren?
Sonja Jüngling
00:35:17
Wie mutig bin ich?
Jana
00:35:20
Wie geduldig bin ich? Und ja, das sind glaube ich alles Fragen, wenn ich die mir selber stelle, dann kann ich ziemlich viel selber dazu beitragen, wie ich in welcher Beziehung sein kann.
Sonja Jüngling
00:35:36
Also, eine Sache, also wir haben ja gerade die Betrugsreihe gestartet, da kommen auch noch ganz viele Folgen oder kommen noch einige Folgen und ich spreche ja oft über Polyamorie, ist der ja auch nicht fremd, begegnet der ja auch immer wieder. Und ganz oft habe ich so die Konstellation entweder einvernehmlich in der Polyamorie oder nicht einvernehmlich durch Betrug oder, geheimliche Affären, dass Menschen zwei Beziehungen gleichzeitig haben und eine ist eher so diese funktionale Ebene, also eine Lebensgemeinschaft mit Alltag. Und eine ist, da sage ich ja immer Inselpartnerschaft zu, dass dann halt ja wirklich so Abenteuer und Intensität und ganz viel Gefühlsgespräche und ganz viel Sex und so weiter. Und wenn ich in polyamoren Kontexten, eigentlich in allen Kontexten frage, dann ist es ganz oft so, dass sie sagen, naja, das fehlt mir halt in meiner Partnerschaft. Und die Frage, die sich dann immer stellt, also in meiner Welt, ich beantworte mir das so, dass ich denke, das sind unterschiedliche Anteile, und ich glaube, das ist so okay, das Parallelsformen und ich finde es auch okay, wenn Leute sagen, ich will beides in einer Beziehung, ist die Frage, wie sehr das möglich ist, aber, was denkst du darüber? Also bedeutet das dann, dass irgendwas in der Kernpartnerschaft falsch läuft? Wie siehst du das persönlich und wie begegnet es dir in der Beratung?
Jana
00:36:58
Also ich glaube, das, was du jetzt angesprochen hast, irgendwie so eine funktionale Beziehung, die kann ja trotzdem auch viel mehr sein als funktional. Kommt, glaube ich, auf viele Dinge drauf an. Und in meiner Erfahrung geht da schon ganz schön viel abzudecken. Und gleichzeitig sind manche... Durch die Kernpartnerschaft. Ja, schon.
Sonja Jüngling
00:37:13
Ja, voll.
Jana
00:37:14
Und gleichzeitig vielleicht einfach nicht alles. Die ist nun mal nicht neu. Und die Person lerne ich nicht jeden Tag neu kennen. Also ich kann mir ganz, ganz viel Mühe geben, immer wieder Anteile zu entdecken und neugierig zu bleiben.
Sonja Jüngling
00:37:25
Und ich glaube, der Zimmer bleibt halt gleich. Der riecht gleich. Also neu ist da nichts.
Jana
00:37:30
Du, ich sage dir, der verändert sich auch manchmal. Aber wie gesagt, man braucht schon ein Riesenmaß an Neugier, um da auch immer wieder, also das ist einfach trotzdem Gewohntes. Also manche Dinge gehen da einfach nicht. Und ich glaube aber, dass das... Dass das, wenn zum Beispiel, wie du das gesagt hast, es da zum Beispiel eine Inselpartnerschaft gibt oder auch irgendwas heimlich ist oder sowas, dass das Menschen häufig als intensiver beschreiben, das liegt fast in der Natur der Dinge. Es ist irgendwie viel weniger Zeit und es ist viel weniger Aufgaben, die drumherum zu erledigen sind.
Sonja Jüngling
00:38:07
Genau, es ist ja viel, viel direkter, weil ich eben keinen, ich habe keine Pflichten miteinander, sondern nur die schönen Dinge. Ich bin nur im Urlaub, nur Freizeit, keine Arbeit, muss nicht kochen, weil wir essen gehen und so.
Jana
00:38:17
Ja, ich glaube, dass das eher was ist, was sich gerade in der Polyamorie, was sich eher, wenn wir Menschen nicht so kompliziert wären, wie wir wären, wunderbar ergänzen könnte. Wenn all diese Dinge mit Neid und Eifersucht einfach viel einfacher zu händeln wären, könnte das wie ein Puzzle sein.
Sonja Jüngling
00:38:34
Ja, voll.
Jana
00:38:36
Wir erleben es natürlich häufig nicht so und es begegnet mir auch oft in Beratung so, dass es eben genau da schwierig wird, weil irgendwie die Person zu Hause denkt, ich kann ja nicht alles geben und ich will doch aber. Aber ich glaube, das ist super normal. Ich weiß nicht, ich glaube tatsächlich nicht, dass es diese eine Langzeitbeziehung gibt, in der ich zu jeder Zeit all meine Teile, wenn sie mir denn bewusst sind, zu allen Teilen irgendwie immer gesehen, vertreten und befriedigt fühle.
Sonja Jüngling
00:39:04
Und wie würdest du antworten auf eine Person, die vielleicht einen Betrug, also eine heimliche Geschichte gemacht hat oder wo es eine Mono-Poly-Konstellation gibt, also, es gibt eine Monoperson und die Polyperson lebt sich aus und die Monoperson macht es nur mit zusammengebissenen Zähnen und dann sagt die Person, die eben die Außenbeziehung hat, heimlich oder nicht heimlich, aber ich habe ja keine Wahl, ich kann zu Hause nicht ich selbst sein.
Jana
00:39:31
Ja, ich glaube, das ist eine wunderschöne Ausrede. Ich glaube, wir können uns ja ziemlich viel einreden. Ich bin dann wieder bei und ich bin trotzdem für mich verantwortlich, also zumindest auszusprechen, was ich brauche und zu klären, geht es hier? Also mal rein faktisch, aber auch kommen wir zwei da auf einen Nenner. Und ich glaube aber auch, die Person, wenn wir zum Beispiel bei heimlichen Dingen sind, gehört ja auch das in diese Person, dass sie irgendwie nicht in der Lage ist. Und auch das ist ein Teil von ihr, aus Angst oder Schutzbedürfnis oder Abhängigkeiten, das nicht aufmachen zu können. Also ich glaube, mit allem, was wir tun und was wir nicht tun, sind wir immer mit all unseren Teilen beteiligt. Und wir sind wirklich eine große Freundin von Eigenverantwortung an der Stelle.
Sonja Jüngling
00:40:23
Ja, ich auch. Und ich würde sogar sagen, ich glaube sogar, dass das eine Lüge ist. Weil ich glaube auch, also wenn du eine Alltagspartnerschaft hast, in der du 80 Prozent deiner freien Zeit bist und dann behauptest, ich kann da nicht ich selbst sein. Also ich glaube, dass das ein Anteil ist, ein Alltagsanteil, vielleicht ein sehr angepasster Anteil, keine Ahnung. Also entweder das oder du hättest schon längst gehen müssen. Vielleicht konntest du nicht. Und es gibt natürlich Situationen, wo das nicht geht. Aber ich glaube, dass diese Menschen dann eben ein Alltagssich haben, ein funktionales Ich und eben diese Pipi Langstrumpf oder wie auch immer man diese andere Persönlichkeit bezeichnen will. Und manchmal habe ich Glück, dass ich diese quirlige Person, diese draufgängige Person mit meiner besten Freundin sein kann, weil Sexualität oder Romantik nicht beteiligt ist. Manchmal ist es eben nicht so. Und dann kann es halt zu Problemen führen. Aber ich glaube, ich kann zu Hause nicht ich selbst sein. Das so als Vorwurf auch zu nehmen, das finde ich schwierig. Und ich glaube, am Ende lässt es sich da auf so ein Sicherheitsgefühl runterbrechen. Und es ist natürlich schrecklich, wenn die Person nicht das Gefühl hat, sicher zu sein zu Hause. Und das kann man ja umgestalten. Also das liegt ja nicht an einer Person, dass sie sich nicht sicher fühlen. Ich bin auch jemand, der sich manchmal nicht sicher gefühlt hat. Weil ich mich nicht getraut habe, weil ich ins Vorausgehorsam gegangen bin und gedacht habe, der Person kann ich das ja nicht zumuten, das ist ja viel zu viel oder das ist ja viel zu anstrengend oder was weiß ich. Also ich will nicht sagen, zu einer unsicheren, missbräuchlichen Beziehung gehören immer zwei. Das würde ich so definitiv nicht sagen. Aber wenn es so dieses, ich lebe eigentlich gut so und dann wirklich, ich musste mir das ja anschaffen, weil ich konnte nicht ich selbst sein. Ja, also das finde ich dann immer sehr schwierig, muss ich sagen.
Jana
00:42:06
Total. Ich glaube, das sind häufig Personen, die auch ein Thema mit Veränderung haben, es aber gar nicht wissen.
Sonja Jüngling
00:42:14
Ja.
Jana
00:42:15
Also so dieses, wenn ich das ansprechen würde, durchziehen würde, wenn ich da dranbleiben würde, wie ich gern sein will und was mir fehlt, dann müssen sich ja Dinge bewegen.
Sonja Jüngling
00:42:27
Und die müssen sich es auch selber erlauben.
Jana
00:42:29
Die müssen sich es selber erlauben, das überhaupt wollen zu dürfen.
Sonja Jüngling
00:42:32
Ja, wollen zu dürfen ist richtig. Und das ist superschwer, das begegnet mir oft.
Jana
00:42:35
Ja, genau. Ja, und das dann zu besprechen und voranzutreiben, das ist ja nicht gemütlich.
Sonja Jüngling
00:42:42
Nee.
Jana
00:42:43
Und gerade sowas Heimliches ist doch am Anfang zumindest oder in der Zeit erst mal gefühlt, weil die Vorstellung davon ist gemütlich, dass es dann häufig stressig ist, das steht auf einem anderen Blatt. Aber ja, und ich muss halt nicht hingucken. Jedenfalls nicht gleich.
Sonja Jüngling
00:43:00
Ja, und du hast halt recht. Also Veränderungen, klar, machen die, also Leidensdruck wollen wir alle weghaben, da finden wir Veränderungen super. Aber am Ende wissen wir ja nicht, was kommt dabei raus. Und es könnte ja ungemütlicher sein, es könnte ja sein, dass ich die Beziehung verliere. Also so eine gemeinsame, gut funktionierende Alltagsstruktur, die ist ja auch was Herrliches.
Jana
00:43:22
Und ich glaube, so was Heimliches ist manchmal auch, wenn ich das so systemisch angucke, was hat die für einen Zweck? Kann, glaube ich, auch schon sein, dass das, was ich mir alleine nicht trauen würde, anzusprechen oder zu fordern oder zu wollen, am Ende ja von alleine meistens auf den Tisch kommt. Aber da musste ich es ja nicht machen. Dann ist es einmal unangenehm und dann muss ich halt ran an den Speck.
Sonja Jüngling
00:43:43
Und wie oft erlebe ich das, dass dann irgendwie, also, dass dann wirklich ungeschickt verheimlicht wird. Wo dann halt, also wo ich mir dann manchmal so denke, so, da wollte aber ein innerer Anteil schon, dass das rauskommt.
Jana
00:43:57
Ja, halt.
Sonja Jüngling
00:43:58
Okay, fällt dir noch irgendwas ein zum Thema, kann ich in Langzeitbeziehungen ich selbst sein? Also die Frage haben wir natürlich nicht beantwortet, können wir nicht, aber das war auch nicht mein Anspruch. Also ich fand das ganz spannend mit dieser Definition. Also wir könnten jetzt natürlich noch stundenlang darüber reden, wie kriegt man eine Beziehung sicher, aber das machen wir vielleicht ein andermal.
Jana
00:44:24
Ich glaube, dann fangen wir auf jeden Fall erstmal damit an, wie wir die Beziehung zu uns selbst sicher kriegen und dann können wir gucken, wie kriege ich die Beziehung sicher. Was ich jetzt nochmal so, wenn ich so auf unser Gespräch innerlich lausche, dann habe ich echt so dieses, ich glaube, dass es total Sinn macht. Bei dieser Frage kann ich ich selbst sein, erstmal gucken, wer bin ich denn alles. Und wenn ich das weiß oder je besser ich das weiß, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, also mir selber begegnen heute noch neue innere Ichs immer wieder, obwohl ich mich seit so vielen Jahren damit beschäftige. Ich glaube, da können wir immer Dinge entdecken. Und wenn ich davon ausgehe, dass ich niemals alle kenne, jedenfalls nicht zu jedem Zeitpunkt und dass ich auch nicht zu jedem Zeitpunkt alle Teile so von mir zeigen oder da sind, dann ist es vielleicht auch nicht so schlimm. An jeder Stelle das Gefühl zu haben, mich selbst sein zu können, wenn ich selber weiß, ich weiß gar nicht zu jedem Zeitpunkt, wer alles zu mir gehört. Aber ich glaube, je mehr ich das weiß und je besser ich das weiß und je besser ich lauschen kann, welcher Teil von mir wünscht sich denn jetzt was oder welcher Teil von mir hat denn welches Bedürfnis, dann kann ich viel besser orientieren. Ich kann meine Gefühle zuordnen, ich kann Handeln, anders lenken, ich kann Situationen anders halten und glaube, empfinde dann auch Situationen, wo ich das Gefühl habe, ja und die und die Teile können jetzt hier vielleicht gerade nicht, auch nicht mehr so potenziell so schnell verletzend oder fühle mich irgendwie angegriffen oder sowas, wenn ich weiß, welcher Teil von mir das jetzt gerade gehört hat. Und je mehr ich mich entscheiden kann und wie wäre das denn, wenn der Teil von mir das jetzt hört. Dann habe ich, glaube ich, ganz schön viel Selbstbestimmung in mir und Selbstwirksamkeit, damit auch was machen zu können und empfinde dieses, ich kann vielleicht nicht überall ständig ich sein, nicht mehr als so ein Verlust oder so ein Mangel.
Sonja Jüngling
00:46:22
Ja, das finde ich echt einen guten Punkt. Ich glaube, wenn ich so jetzt auf das Gespräch gucke und gucke, was meine Haltung oder was mein Gefühl dazu ist, finde ich das eigentlich wichtig, ich selbst zu sein? Was heißt das genau? Also ich glaube, bei mir ist, ich selbst sein dürften, glaube ich, also ich glaube, ich würde mir wünschen, dass eben diese ganz vielen unterschiedlichen Anteile Raum haben. Ich glaube, ich möchte gar nicht immer ich selbst sein können, weil ich bin also manchmal auch wirklich laut und anstrengend und viel, ja. Aber eben das, was du gerade gesagt hast mit dem die Freiheit zu haben sich erkannt zu haben, im ganz klassischen Sinne ich habe verstanden, wer ich bin, und ich kann das akzeptieren, wer ich bin ich glaube, das finde ich ganz schön und wenn ich das weiß, kann ich halt auch darum bitten, also ich kann halt vorher fragen es gibt in mir auch einen Anteil, der ist total nörgelig ich habe den bis jetzt immer unterdrückt, wie denkst du darüber? Oder vielleicht könnte man das Thema auch einfach mal aufbringen. Ich habe oft das Gefühl, ich kann gar nicht ich selbst sein und, können wir da vielleicht, wie geht es dir und können wir da vielleicht was verändern? Aber wenn ich immer im funktionalen Alltag bin, also das finde ich das größte Takeaway, das hast du vorhin irgendwann gesagt, heißt es nicht, dass ich nicht ich selbst bin.
Jana
00:47:44
Genau. Ich glaube, wenn ich schon an dem Punkt bin, dass ich weiß, was gerade ein besonders lebendiger Teil in mir ist oder welcher Teil gerade besonders laut ist oder welches Bedürfnis und sobald ich darum bitten kann oder das ankündigen kann, verläuft der ganze Abend dann das.
Sonja Jüngling
00:48:01
Und das heißt ja, ich kann schon nicht selbst sein.
Jana
00:48:04
Wenn ich das schon sagen kann, das heißt gar nicht immer, dass ich darüber reden muss, aber es kann, wenn ich alleine sagen kann, du es gibt einen Teil in mir, der wird jetzt hier gerne auf dem Tisch rumspringen und den einmal zertreten, dann passiert erstens ja schon deswegen was in uns und wir kriegen selber schon Entspannung, weil ich konnte das einmal sagen. Und wenn ich das sozusagen ein Stück aus der Meta-Ebene schaffe zu sagen, dann glaube ich, gibt es viele Partnerpersonen, die sagen können, oh ja, krass. Also weil ich mache es ja dann nicht einfach und gehe davon aus, die andere Person muss das jetzt aushalten. Also die Meta-Ebene erwischen, das macht schon einfach unglaublich viel.
Sonja Jüngling
00:48:40
Ja, voll. Und falls du, liebe zuhörende Person, jetzt zu denen gehörst, die sagen, ja, und ich kann bei mir, so etwas könnte ich nie sagen, Also, ich glaube dir, dass das so ist, aber das heißt nicht, dass deine Partnerperson dich klein hält, sondern ich glaube, dass da viel du dir selber vermutlich auch nicht zutraust und ich glaube, da kämpfst du auf ein Gespräch an.
Jana
00:49:00
Ja, auf jeden Fall.
Sonja Jüngling
00:49:03
Okay. Final last questions or comments. Hast du noch was? Final last ist auch schön. Final questions or comments meine ich natürlich.
Jana
00:49:13
Also ich glaube, wir haben viele Sachen beleuchtet und wir könnten noch drei Stunden. Aber für so ein erstes, wie ist das denn, mit dem ich selbst sein?
Sonja Jüngling
00:49:23
Ja, schön. Wenn jetzt Menschen dich gehört haben und gedacht haben, boah, die Jana, das ist ja eine coole Socke, wo finden die dich?
Jana
00:49:32
Die finden mich unter zwei Dingen. Also meine selbstständige Praxis, die finde ich online. Das ist in Suhl. Praxisintuition ist das.
Sonja Jüngling
00:49:41
Genau, kriegt ihr natürlich in die Shownotes den Link.
Jana
00:49:44
Genau, und wenn es Menschen gibt, die Lust oder Interesse an systemischen Ausbildungen haben, in Beratung oder Therapie, Dann ist das die Beziehungswerkstatt Thüringen.
Sonja Jüngling
00:49:52
Ja, wunderbar. Möchtest du noch irgendeinen gut gemeinten Wegespruch oder irgendeinen Tipp an irgendwen geben? Esst mehr Gemüse oder was weiß ich.
Jana
00:50:04
Mir fiel gerade ein, so dieses, wenn du es schaffst, immer mehr mit dir selbst, du selbst zu sein. Ich glaube, dann passiert in so gerade romantischen Langzeitbeziehungen, passieren dann Dinge fast von alleine.
Sonja Jüngling
00:50:21
Das ist schön. Das ist ein schönes Schlusswort. Ja. Dann habe ich wenigstens einen Ort, an dem ich es selbst sein kann. Ja, schön. Super. Vielen Dank, Jana.
Jana
00:50:32
Super gerne.
Sonja Jüngling
00:50:33
Alles klar. Bis demnächst. Tschüss.
Jana
00:50:35
Tschüssi.
Sonja
00:50:40
Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt und hat gute Gründe für alles, was sie tut. Also sei verständnisvoll mit dir und mit deinem Herz.

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