#143 - Wie gelingt gute Beziehung? - Phänomene aus der Praxis
Was hat Liebe mit guten Beziehungen zu tun?
13.09.2026
12 min
Zusammenfassung & Show Notes
Drei Denkfehler in Beziehungen: Warum Liebe allein nicht reicht, Denken Grenzen hat und Bemühen nicht gleich Liebe ist – mit konkreten Übungen.
In dieser Praxisfolge fragt Sonja: Was macht Beziehungen wirklich gut? Anhand von drei häufigen Phänomenen aus ihrer Beratungspraxis geht es um die Verwechslung von Liebe und Drama, die Grenzen rein kognitiver Lösungen und die Falle, Bemühen als Liebesbeweis zu deuten. Mit alltagsnahen Impulsen, wie Begegnung leichter werden kann.
📌 Themen dieser Folge:
Liebe ist veränderbar: Warum Gefühlstiefe nicht über Beziehungsqualität entscheidet
Romantikdiktat/Amato-Normativität: Wie gesellschaftliche Erzählungen Druck machen
Netzwerke stärken: Unabhängigkeit und Alltagshilfe außerhalb der Liebesbeziehung
Grenzen des Kopfs: Warum Nervensystem und Körperarbeit dazugehören
Bemühen ≠ Liebe: Glaubenssätze erkennen und den Confirmation Bias entlarven
Praktische Tools: Affirmationen, Kontrastfragen und Glaubenssatzarbeit
Wahlfreiheit behalten: Auch Gehen kann eine stimmige Option sein
💡 Das Wichtigste in Kürze
Liebe allein trägt keine Beziehung; entscheidend sind Umgang, Bedürfnispassung und Authentizität.
Intensive Gefühle können Drama sein – prüfe die Qualität, nicht nur die Intensität.
Ein tragfähiges Netzwerk jenseits von Partnys schafft Freiheit und Resilienz.
Reine Kopfstrategien reichen selten – nimm Nervensystem und Körper mit ins Boot.
Setze Leistung nicht mit Liebe gleich; arbeite an Selbstwert und hilfreichen Überzeugungen.
Übungen wie Affirmationen und Perspektivwechsel erleichtern entspannte Begegnungen.
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Transkript
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen.Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte,Abenteurerin und Gegensatzaushalterin.Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles,was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst.Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews.Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangeboteund schaff Raum für das, was dich bewegt.Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.Moin, moin! Und hier kommt eine Praxisfolge zum Thema, wie gelingt gute Beziehung?Praxisfolge bedeutet, es gab schon eine Themenfolge dazu. Wenn du also das Wissenund den Hintergrund dazu haben möchtest, dann hör doch die vorherige Folge.Und die Idee dahinter ist, dass wenn du weißt, wie gute Beziehung gelingt,dass du es dann präventiv machen kannst und damit Drama und Anstrengung vermeidenund Schmerzen vielleicht sogar verhindern kannst.Ich spreche heute über drei Phänomene aus meiner Praxis als Paarberaterin.Das erste ist, die Denke, dass Liebe das wichtigste Kriterium für eine gute Beziehung ist.Das zweite ist, dass ich versuche, die Beziehungsprobleme rein kognitiv zu lösen.Und das dritte ist, dass es eine Verwechslung gibt von Bemühen und Liebe.Gut, dann lege ich mal direkt mit dem ersten Phänomen los. Also was mir häufigbegegnet ist der Gedanke, dass Liebe das wichtigste Kriterium für eine Beziehung ist.Also natürlich verstehe ich, dass der Impuls, eine Beziehung einzugehen,ist, wenn ich mich verliebe oder wenn ich der Person gegenüber romantische oderpartnerschaftliche Gefühle empfinde.Das ist natürlich ein Impuls. Aber ob ich dann in der Beziehung bleiben odersein möchte, das ist eine zweite Frage.Also Liebe ist ein physiologischer Prozess, die ist ein bisschen veränderbar,die ist herstellbar durch wiederholt gute Erlebnisse.Liebe ist aber auch durch Kindheitsgewohnheiten manchmal ziemlich trügerisch.Also wenn Liebe sich zu Hause immer ziemlich anstrengend und gefährlich angefühlthat, dann verwechsel ich das vielleicht manchmal und nehme ein Gefühl für Liebe,was vielleicht gar keine Liebe ist, gar keine Zuneigung.Und ja, dass es mir gut geht, wenn ich mit der Person zusammen bin,sondern ich verwechsel vielleicht Drama mit Liebe.Also Liebe ist nicht unabhängig von Beziehungen, aber ich bin auch keine Sklavin.Der eigenen Hormone, sagen die Fanta 4.Also es gibt so den Spruch, wo die Liebe hinfällt.Natürlich in gewisser Weise kann ich nicht beeinflussen, wen ich sympathischfinde und wen nicht. Aber ich kann beeinflussen, was ich daraus mache.Und wenn ich mich da total hingebe und sage, ich habe keine Wahl,ich muss hier in Beziehung mit der Person gehen, weil ich sie liebe,ich weiß nicht. Dann fehlt mir so ein bisschen die Selbstwirksamkeit.Und ja, das ist mir einfach ganz wichtig. Liebe ist nicht das wichtigste Kriteriumfür eine Beziehung, sondern ob ich gut behandelt werde und ob es mir gut gehtdamit, ob ich ich selbst sein kann, ob meine Bedürfnisse erfüllt werden,was auch immer da für dich der wichtigste Punkt ist, das ist viel, viel wichtiger.Es müssen nicht immer die großen Schmetterlinge sein und die große Intensitätund die Sternchenaugen.Liebe ist halt auch krass und anstrengend, also diese Liebe,die ich gerade angesprochen habe.Es kann auch einfach eine gemütliche Sympathie sein, das darf ein bisschen oberflächlichsein und gut für mich funktionieren als Bedürfnisbefriedigung,wenn die andere Person das auch so sieht.Also es muss nicht immer die große Romantik und die großen Entwürfe sein.Natürlich kann es sein, dass du dir das wünschst und dann darf Beziehung fürdich auch so funktionieren, aber du bist kein Opfer deiner Liebe,sondern du kannst Beziehung gestaltenund du darfst schlechte Beziehungen verändern oder sogar verlassen,auch wenn du diesen Menschen liebst, weil das Leben ist zu kurz,sich schlecht behandeln zu lassen. Das Leben ist zu kurz, eine schlechte Zeit zu haben.Weil die größte Liebe nützt mir nichts, wenn ich den ganzen Tag schlechte Launehabe, weil es einfach nicht gut funktioniert mit der anderen Person.Weil mein Nervensystem durchdreht, wenn die andere Person da ist.Weil es anstrengend ist, weil wir uns ständig streiten.Weil ich nicht das bekomme, was ich brauche.Und da sei an der Stelle wirklich gesagt, es ist schön und gut,wenn du die Person liebst, aber du darfst die Beziehung davon getrennt sehen.Wenn du merkst, du kannst die Beziehungsqualität nicht beeinflussen durch deineVerhaltensänderung, dann darfst du auch gehen.Alleinsein ist keine Katastrophe, also auch wenn es sich manchmal so anfühltund an manchen Tagen natürlich eine Katastrophe ist.Aber in den meisten Fällen redet uns die Gesellschaft ja ein,dass Alleinsein nicht geht.Vor allen Dingen weiblich gelesene Personen wird das immer wieder erzählt,aber auch männlich gelesene Personen haben da oft sehr viel Angst vor.Aber nur, weil es bei uns so eine, ja, manche Leute sagen, Romantikdiktat,wissenschaftlich heißt es Amato-Normativität.Also die Liebesbeziehung, die Lebensgemeinschaft, die Lebenspartnerschaft wirdals das zentrale Element gesehen. Und wenn ich die nicht habe,habe ich ganz viele andere Sachen auch nicht.Aber ich kann mir die anderen Sachen ja auch woanders holen.Ich kann ja andere Beziehungen stärken, Freundschaften stärken.Also ich brauche nicht alles, was mir im Alltag begegnet, nur dieser Beziehungspersonzu erzählen. Und wenn es die nicht gibt, habe ich keinen, dem ich das erzählen kann.Ich darf mir andere Personen suchen, denen ich das erzählen kann.Ich darf mir andere Alltagsbuddies suchen. Ich darf mir andere Personen suchen,die mich ins Krankenhaus fahren, wenn ich eine Spiegelung habe.Ich muss nicht darauf warten, dass ich wieder eine Beziehung habe.Ich kann das mit anderen Menschen machen.Genau, also stärk dein Netzwerk, ob du in einer Beziehung bist oder nicht,damit du frei bist zu gucken, reicht, was ich in dieser Beziehung neben derLiebe finde, eigentlich aus dafür, dass ich bleiben möchte.Und dafür braucht es eben ein gutes Netzwerk. Und das kannst du auch jetzt starten.Du kannst dich nicht erst trennen oder erst drüber nachdenken,wenn du dein Netzwerk perfekt aufgestellt hast. Aber denk es einfach mit.Das Zweite, was mir in der Praxis so oft begegnet, ist genau das Gegenteil.Also das Erste war, Liebe ist das wichtigste Kriterium und nur das zählt undwie die Beziehung sich anfühlt, ist eigentlich scheißegal.Das Gegenteil davon ist, dass die Beziehung rein kognitiv angefasst wird.Wie ich es in der letzten Folge gesagt habe, werden einfach alle Methoden angewendetund dann wird das schon funktionieren.Ich muss mich nur genug anstrengen, dann wird das schon funktionieren.Dieser Falle bin ich selbst schon erlegen, aber ich sehe es auch viel in meinerPraxis. Also rein kognitiv können wir das oft nicht lösen. Wir reden und analysierenund strategisieren und Gefühle und Bedürfnisse werden ignoriert.Glaubenssätze und Regeln werden völlig unhinterfragt immer wieder übernommen,weil alles, was nach Regeln sich anhört, logisch erscheint. Und das ist ja schön,faktenorientiert und dann kann man das alles genauso machen.Und wenn man das nicht schafft, dann ist man nur schwach und so.Aber dabei ignoriere ich die Heftigkeit von Gefühl und Verletzungen und auchdie Mächtigkeit von meinem Nervensystem.Ich sage das ganz oft, mein Kopf ist 200.000 Jahre alt und mein Nervensystemist 300 Millionen Jahre alt, also von der Entstehung her.Also man darf einfach die Mächtigkeit des Nervensystems nicht unterschätzen.Und wenn es in uns unhinterfragte Regeln gibt, da kann ich kognitiv noch sogegen ankämpfen. Das wird vermutlich nur sehr schlecht funktionieren.Also Werkzeuge und Kognitionen sind wichtig, aber nur ein Teil oder ein Aspektvon Beziehungsgestaltung.Und was mache ich, wenn ich merke, es funktioniert rein kognitiv nicht?Ich gehe natürlich in Nervensystemarbeit, in die Körperarbeit.Ich mache Übungen alleine oder am besten mit der Partnerperson in Workshops,die eben den Körper und das Nervensystem mitnehmen, das Unterbewusstsein mitnehmen,die eben die Prozesse, die im Unsichtbaren wirken, mit anschauen.Also nochmal zusammengefasst, Liebe und Zuneigung ist nicht das ausschlaggebendeKriterium für ein Ja und Nein zu einer Beziehung, Aber wie ich mich fühle inBezug auf mich und meine Werte und die Beziehung, dabei ist schon sehr relevant,weil wie ich mich fühle, ist eben ein Kontakt zum Nervensystem.Und wenn das Nervensystem Nein sagt, dann kannst du noch hundertmal Ja sagen,das wird nicht funktionieren.Also alles kognitiv zu lösen, funktioniert auch nicht.Was sehe ich noch in meiner Praxis? Ganz häufig sehe ich das Verwechseln von Bemühen und Liebe.Wenn jemand sich anstrengt, wenn jemand gegen die eigenen Werte handelt,wenn jemand etwas nur für mich tut, dann ist das ein Liebesbeweis.Und ich teste das ganz viel und sammle auch die Liebesbeweise und sammle abervor allen Dingen die Sachen, die beweisen, dass das stimmt, was ich dachte,nämlich, dass es gar keine Liebe gibt.Also die Kaffeetasse, die auf dem Spülstein statt in der Spülmaschine steht,die wird dann gern interpretiert.Wenn die Person nicht macht, was ich brauche, will oder sage,wenn sie sich nicht bemüht, liebt sie mich nicht, ist da der unterschwellige Ton.Und das bedeutet, dass die Beziehung ein stetiger Kampf, eine stetige Anstrengung ist.Und warum passiert das? Da sind ganz viele Sachen im Hintergrund aktiv.Glaubenssätze oder einfach Haltungen, Dinge, die ich über mich denke.Zum Beispiel, ich muss mich anstrengen oder ich muss was leisten,um geliebt zu werden. Das erwarte ich dann natürlich auch von anderen.Oder ich bin es nicht wert, geliebt zu werden. Wenn ich mit solchen Sachen,also mit so einer Brille durch die Welt laufe, dann fällt der anderen Persones auch extrem schwer, das zu erfüllen.Und woher kommt die Brille? Wir sind alle, ja, unser Hirn hat den sogenanntenConfirmation Bias. Das heißt, es sucht eigentlich nur Beweise für das,was es sowieso schon glaubt.Und das sorgt eben dafür, dass ich ständig Beweise suche dafür,dass das stimmt, was ich denke. Und wenn ich zum Beispiel denke,Liebe heißt, ich leiste etwas, Liebe habe ich nicht verdient,dann hat das natürlich Auswirkungen auf deine Beziehung.Das heißt, es wäre gut, wenn du dir da eine andere Brille aufsetzt.Also zum Beispiel, ich bin liebenswürdig, ich bin liebenswert.Die andere Person muss sich nicht anstrengen, um mich zu lieben.Im Gegenteil, es ist viel schlauer, wenn sie sich nicht anstrengt,weil Beziehungen sind, wenn ich immer die ganze Zeit nach einem Beweis suche,entweder für die Liebe oder gegen die Liebe, unterbewusst, dann ist es ein stetigerKampf und eine stetige Anstrengung und das kann nicht dauerhaft aufrechterhalten werden.Also es ist viel schlauer, wenn ich nicht darauf warte, dass die andere Person sich bemüht.Und wie kann ich das ersetzen? Indem ich eben meine Glaubenssätze hinterfrage,meinen Confirmation-Bias hinterfrage und mir vielleicht eine andere Brille aufsetze.Also wenn ich zum Beispiel merke, ja, oh Gott, also ich bin nicht liebenswert,das habe ich schon in mir, dann bringt es nichts mit den ganzen Tag zu sagen, ich bin liebenswert.Ja, dann könnten Affirmationen was bringen. Also was wäre, wenn ich liebenswert wäre?Oder gibt es vielleicht einige Menschen, die mich als liebenswert betrachten?Wäre eine Möglichkeit, aber man könnte auch das totale Gegensatzpaar mal nehmen,das ist bei dem Liebenswertsatz nicht so sinnvoll, aber mal zu gucken,also die Sachen mal auszusprechen, das Gegenteil auch auszusprechen und zu merken,dass es ja wirklich sehr radikal ist oft und dass so ein Zwischenweg einfachauch an vielen Stellen gebraucht wird.Also die eigenen Einstellungen dazu hinterfragen kann,ganz wichtig sein und eben eine häufige Einstellung ist Liebe heißt,ich muss mich bemühen Und das bedeutet, dass die Menschen nie entspannt sichbegegnen können, weil es ja immer Arbeit braucht und das kann auf Dauer,ehrlich gesagt, also habe ich noch nicht erlebt, dass das funktioniert.Genau, das waren meine drei typischen Dinge in der Praxis, warum gute Beziehungenmanchmal nicht funktioniert oder verwechselt werden oder was es da für Irrtümer geben kann.Und ich bin jetzt am Ende der Folge und freue mich, dass du bis hierhin zugehört hast.Und mein Aufruf heute ist, dass ich mich freue, wenn du Lust hast,bei uns im Team mitzuarbeiten.Also wir brauchen immer Leute, die Folgen schneiden.Wir brauchen einen ITler, die unsere ganzen Tools verwalten.Wir brauchen Designer, die unsere Aufkleber gestalten, die die Folgencover gestalten.Alles, was wir mit Menschen füllen können, brauchen wir nicht mit KI zu füllen.Und da freuen wir uns, wenn du Lust hast, bei uns mitzuarbeiten.Sollte das der Fall sein, schick uns einfach eine E-Mail an kontakt@mopoco-podcast.de.Und jetzt wünsche ich noch einen fantastischen Tag. Bis dann.Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns,wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren?Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas von Gesagten umsetzen?Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest?Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter.
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