Mono, Poly & Co

Dein Wissens-Podcast rund um Beziehungsgestaltung

#141 - Entschuldigungen, überflüssig oder unverzichtbar?

Wie geht ein ernstgemeintes Sorry und wann wird es gebraucht?

30.08.2026 32 min

Zusammenfassung & Show Notes

Echte Entschuldigungen: Was sie sind, wann sie helfen und wie sie wirken – mit Impulsen aus der GfK und vielen Praxisbeispielen.

In dieser Folge taucht Sonja in das Thema Entschuldigen ein: von Definitionen über die Perspektive der Gewaltfreien Kommunikation bis zur Frage, wann und wie eine Entschuldigung wirklich trägt. Es geht um Haltung, Empathie und Repair – und um Stolpersteine wie Floskeln, Rechtfertigungen und systemische Dynamiken.

📌 Themen dieser Folge:

  • Was ist eine Entschuldigung? Definitionen, Rollen und gesellschaftliche Funktionen

  • GfK-Perspektive: Schuld vs. Bedauern – Verbindung durch Bedürfnisse

  • Wann Entschuldigungen helfen – Kontext, Timing und Deeskalation

  • Wie Entschuldigungen wirken: Haltung, Ton und Körpersprache

  • Praxis: Empathie zeigen, Ich-Botschaften, hilfreiche Formulierungen

  • Was keine Entschuldigung ist – und welche Alternativen trotzdem unterstützen

  • Fehlerkultur und Geschlechterdynamiken in Beziehungen

  • Fazit: Entschuldigung als Teil von Repair statt bloße Höflichkeitsformel

💡 Das Wichtigste in Kürze

  • Entschuldigung = Anerkennung des Schmerzes + eigener Anteil + Versuch der Wiedergutmachung; Vergebung bleibt optional.

  • GfK verlagert den Fokus: von Schuld hin zu Bedauern, Bedürfnissen und Verbindung.

  • Haltung vor Wortwahl: Authentizität, Ton und Präsenz zählen mehr als perfekte Sätze.

  • Entschuldigungen sind ein Baustein im Prozess: Anerkennung → Repair → Lösung.

  • Keine echten Entschuldigungen: Abstreiten, Rechtfertigen, Kleinreden, „Tut mir leid, dass es dir so geht“.

  • Erklärungen nur freiwillig und nicht als Verteidigung; Empathie, Trost und Reparaturhandlungen können hilfreich sein.

  • Rollenbilder prägen Entschuldigungsverhalten; emotionale Verantwortung gehört nicht einseitig verteilt.

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Transkript

Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge. Hallo zusammen. Schon wieder gibt es eine neue Folge von MoPoCo. Heute geht es um Entschuldigungen, etwas, das bei Beziehungen ja super wichtig ist. Du solltest die Folge hören, wenn dich unechte Entschuldigungen total nerven, oder wenn es durch deine Entschuldigung immer wieder Stress gibt und du wissen willst, wie es geht. Und ich muss ja sagen, das ist ein richtiges Rabbit Hole. Also da könnte ich, glaube ich, Stunden drüber sprechen. Also das ist schon auch ein Thema immer wieder in meinen Beratungen und auch in meinem privaten Leben. Aber wenn man sich dann mal für die Recherche da reinstürzt, meine Güte, alleine die Definition. Puh, aber gut, ich fange erst mal an mit meinem Ausblick. Die Definition gehe ich darauf ein. Dann spreche ich darüber, wie die gewaltfreie Kommunikation das sieht. Dann spreche ich darüber, wann Entschuldigungen helfen können, also was der richtige Moment für Entschuldigungen ist. Dann spreche ich natürlich darüber, wie gehen richtige Entschuldigungen. Haha, witzig. Ich habe mich gerade für das Wort richtig entschuldigt, weil ich ja eigentlich sage, es gibt kein generelles richtig und falsch. Das möchte ich an dieser Stelle auch sagen. Das heißt, ihr habt direkt quasi in der Einleitung schon eine wunderbare Verwendung von Entschuldigungen gelernt. Nämlich, wenn ich etwas relativieren möchte und anzeigen möchte, dass mir bewusst ist, dass das eigentlich nicht korrekt ist, was ich gerade sage. Also in dem nächsten Punkt, ich habe gesagt Definition, wie die GfK das sieht, wann Entschuldigungen helfen können und der nächste Punkt ist, wie gehen Entschuldigungen, also wie könnte es sinnvoll sein, gibt natürlich wie immer kein richtig und falsch, aber es gibt ein paar Sachen, auf die du achten kannst, und dann spreche ich auch darüber, was keine Entschuldigungen sind und was. Trotzdem hilfreich sein kann und was definitiv gar nicht hilfreich ist. Wie immer gibt es ein Fazit am Ende. So, dann lege ich mal los. Also, was ist eine Entschuldigung? Also, was heißt es im Wortsinne? Also, mir ist das mega schwer gefallen. Ich habe in Duden geguckt, ich habe auf Wikipedia geguckt. Ich habe KI auch mal gefragt, was sie denkt, was die Definition von Entschuldigung ist, obwohl wir ja bei der folgenden Produktion auf KI verzichten. Also, ich gucke da, nachdem ich das produziert habe, auch nicht nochmal drüber, ob ich was Wichtiges vergessen habe mit der KI, sondern das ist tatsächlich KI-frei. Aber selbst die hat mir nicht geholfen, weil ich dachte, eine Definition kann ich mal nachgucken, habe ich aber dann total verworfen, weil das war totaler Quatsch. Also Duden, Wikipedia und meine eigene Definition, es ist wirklich, wirklich schwer, da eine Klarheit zu finden. Was auch daran liegt, dass das unterschiedliche Sachen ja auch sein können. Da komme ich aber gleich nochmal zu. Was mir aber total aufgefallen ist, ist, dass die Definition im Duden mir total schwammiger erscheint. Und da kommt dann eben dieser Rabbit Hole-Effekt. Desto mehr ich über ein Thema zu wissen glaube, oder desto mehr ich recherchiere, je mehr ich über ein Thema zu wissen glaube, desto mehr weiß ich auch, was ich nicht weiß und ich werde dann immer unsicherer. Aber glücklicherweise zwingt dieser Podcast mich ja dazu, ein kleines bisschen aus meiner Komfortzone rauszugehen und über diesen Punkt drüber zu gehen, dass ich sage, ich kann darüber gar nichts sagen. Ich weiß nichts darüber und mache es dann trotzdem. Und meistens kommen ja ganz gute Sachen dabei raus. Genau, also was ist also eine Entschuldigung? Erstmal finde ich es wichtig, dass ich da gucke, welche beteiligten Leute gibt es. Also es gibt, ich spreche in Zukunft von der, in dieser Folge von der geschädigten Person versus der schädigenden Person. Aber die Sachlage ist natürlich nicht immer so einfach. Also oft, wenn es Probleme zwischen Menschen gibt, haben beide irgendwas getan, was die andere Person nicht so toll findet oder nicht gut gebrauchen kann. Also in der Realität ist das total unklar. Aber wenn ich von geschädigter und schädigender Person spreche, dann spreche ich davon, von der Person, die den Schaden hat und auf eine Entschuldigung wartet. Und sie hören möchte oder vielleicht hört. Und die schädigende Person ist in dem Fall die Person, die die Entschuldigung aussprechen darf oder möchte oder sollte. Genau, erstmal dazu. Was ist jetzt die Definition von Entschuldigung? Wie gesagt, ich habe im Duden da wenig zu gefunden. Für mich ist das ein verbaler Versuch einer Wiedergutmachung und auch eine verbale Anerkennung. Es gibt einen Konflikt. Ich sehe, da ist was passiert. Eine verbale Anerkennung von Schmerz, eine verbale Anerkennung der eigenen Beteiligung. Das titulieren wir gemeinhin als Schuld. Ich setze das hier in dicke Anführungszeichen, weil was ist Schuld? Also es ist eine verbale Anerkennung, verbaler Versuch, etwas wieder gut zu machen. Es ist aber auch ein Akt, sich zu entschuldigen. Es ist eine Handlung, und die ist ganz oft verbunden mit der Bitte um Vergebung. Und die kann abgelehnt werden. Die Entschuldigung kann abgelehnt werden. Das ist mir ganz wichtig und das ist vielen nicht so richtig klar. Ich darf einfach sagen, das passt für mich nicht. Natürlich ist eine Entschuldigung auch eine Form von Befriedung und Höflichkeit. Also wenn ich zum Beispiel im Supermarkt jemanden versehentlich anrempel und dann Sorry oder Entschuldigung sage, dann ist das eine Anerkennung, dass das nicht in Ordnung war und meistens reicht den Leuten das dann, die empfinden das dann, also müssen da keinen großen Konflikt draus machen. Das heißt, es ist auch ein Stück weit eine gesellschaftliche Konvention. Und für mich geht eine Entschuldigung, also im Verlauf der Folge, ich lerne ja auch immer noch was dazu, unglaublicherweise, im Verlauf der Folge ist mir klar geworden und habe ich auch gelernt, dass das nicht korrekt ist. Aber für mich ist eine Entschuldigung, die geht auch immer einher mit einer Verantwortungsübernahme und mit dem Willen, diese Situation zu halten, zu tragen und auch Konsequenzen zu tragen. Also wenn ich meiner Tochter die Schokolade weg esse und mich dafür entschuldige, dann kommt das auch dem Willen gleich für mich zu sagen, das tut mir leid, das war falsch und ich kaufte jetzt eine neue. Ja, also für mich geht es einher mit Verantwortungsübernahme, aber das ist streng genommen nicht korrekt und ein eigener Punkt, und ist deswegen auch nicht Teil der Folge, weil sonst wäre die noch viel, viel, viel zu lang geworden und vielleicht möchte ich die ja irgendwann einzeln machen, Verantwortungsübernahme im Fall von Konflikt. Und zu diesem Punkt Verantwortungsübernahme möchte ich sagen, das kann wirklich Teil der Entschuldigung sein, weil manchmal sind Strafen oder Konsequenzen, also die Strafe wäre, weil du das gemacht hast, nehme ich dir die Schokolade weg und die Konsequenz wäre, weil du sie schon gegessen hast, ist keine Schokolade mehr da oder weniger Schokolade mehr da. Ja, also Strafen oder Konsequenzen sind sowohl für die schädigende Person als auch für die geschädigte Person manchmal sehr erleichternd oder eine Wiedergutmachung. Warum für die schädigende Person? Weil es wie so eine Absolution ist. Ich habe dafür gebüßt. Ja, das ist ja in unserem Rechtssystem auch so drin, dass es wieder gut ist, wenn ich Läuterung erfahren habe und gebüßt habe. Das kommt natürlich aus dem Christlichen, wie die Worte schon sagen. Aber wie gesagt, das ist nicht Teil der Folge. Es kann aber durchaus sein, dass das dir helfen könnte. Also du darfst das gerne mitdenken, wenn du denkst, da hat jemand Scheiße gebaut und er hat sich entschuldigt und. Ich mag die Entschuldigung nicht annehmen, könnte das einerseits sein, dass du es nicht fühlst, aber es könnte eben auch sein, dass du eine Strafe, eine Konsequenz, eine Läuterung, Demütigung, eine Wiedergutmachung oder ähnliches brauchst. Das ist aber Inhalt für eine andere Folge. Okay, das war die Definition. Also es ist eine verbale Anerkennung, Konfliktschmerz eigener Beteiligung und es ist ein Akt mit der Bitte um Vergebung. Und es ist eine Höflichkeitsform bzw. eine Form, um für gesellschaftliche Befriedung zu sorgen. So, ich bin ausgebildet in gewaltfreier Kommunikation und die sieht das ganz anders. In der gewaltfreien Kommunikation oder GfK gibt es nämlich gar keine Schuld, weil in der GfK ist die Haltung die gute Absicht. Und ich will was beitragen zur Gemeinschaft und ich tue immer das Bestmögliche und habe gute Gründe für alles, was ich tue. Das heißt, da gibt es keine Schuld im Sinne von, ich habe mich schuldig gemacht, weil ich habe mein Bestes gegeben. Und na klar können da Sachen bei rauskommen, die für manche Menschen blöd sind und das kann ich auch anerkennen, aber das hat nichts mit Schuld zu tun, laut der GfK. Das heißt, in der GfK gibt es einen ganz wichtigen Punkt, nämlich die Gleichzeitigkeit von Schaden und ich bin ein guter Mensch, ich habe nichts falsch gemacht. Und das heißt, da gibt es eine ordentliche Fehlerkultur und. Was ist eine ordentliche Fehlerkultur, ist natürlich Ansichtssache, aber da gibt es meiner Meinung nach in der GfK einen relativ guten Umgang damit, dass ich natürlich Dinge tun kann, die sich im Nachgang als blöd herausstellen und da sehr viel Vergebung und so. Also ich muss auch wirklich sagen, einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben ist eine GfK-Trainerin und mit der war ich heute Morgen unterwegs und ich habe Scheiße gebaut. Ich habe nämlich den Autoschlüssel verloren und in dem Auto waren alle Handys, Schlüssel und Wertgegenstände eingeschlossen und dann habe ich den verloren. Und die war so entspannt, die hat mich voll daran gehindert, in Self-Bashing zu gehen, hat gesagt, hey, du lernst was fürs nächste Mal, du hast es nicht absichtlich gemacht, jetzt schlechtes Gewissen nützt dir gar nichts, lass uns nach vorne gucken. Das war richtig, richtig toll. Also das ist wirklich gelebte GfK und es ist wirklich ganz wunderbar. Und das würde ich als ordentliche Fehlerkultur betrachten, also daraus lernen und sehen, jede Person hat ihr Bestes getan. Und in der GfK ist es so, dass ich Bedauern ausdrücke, also dass ich sage, dass es mir leid tut, was ich gemacht habe. Ich sage vielleicht, ich wünschte, ich hätte das anders gemacht oder ich drücke aus, dass ich es bedauere, wie das gelaufen ist, dass ich es bedauere, was ich getan habe, dass ich es bedauere, was dabei rausgekommen ist. Also was ist der Sinn dahinter? In der GfK geht es ja immer um Verbindung und um Bedürfnisbefriedigung. Und wenn ich mein Bedauern ausdrücke, dann gibt es eine Bedürfnisbefriedigung auf beiden Seiten. Also die Bedürfnisse können sein, ich möchte gehalten werden, ich möchte gesehen werden, ich möchte Verbindung spüren, ich möchte Sicherheit haben, ich möchte eine Verlässlichkeit haben. Und all das wird ausgedrückt durch dieses Bedauern. Je nachdem, wie lange ich das mache. Also wenn ich jemandem anderen will, sage ich vielleicht nur kurz sorry. Aber wenn ich mein Bedauern ausdrücke und sage, oh Mann, wie bei dem Autoschlüssel, ich wünschte so sehr, ich hätte früher dran gedacht. Mir ist sowas total wichtig und das war eigentlich eine gemeinschaftliche Verantwortung. Und ihr habt euch so auf mich verlassen und das bedauere ich total, dass ich da nicht anders gehandelt habe. Dann sehe ich auch die andere Person und deren Not. Und das wird in der GfK, sehr hoch gehalten und das finde ich auch schlau und klug. Und natürlich kann ich bei einer Entschuldigung oder beim Bedauern ausdrücken auch die vier Schritte der GfK nutzen. Also die Beobachtung, wie ist die Situation, meine Gefühle, wie geht es mir gerade, meine Bedürfnisse, meine vielleicht auch sogar unerfüllten Bedürfnisse, warum habe ich das gemacht, wie konnte das passieren, was ist dabei bei mir passiert, wieso konnte das überhaupt passieren. Und da könnte als vierter Schritt natürlich auch die Bitte um Vergebung da sein. Und wie jede Bitte in der GfK kann auch diese Bitte natürlich abgelehnt werden. Genau, da sind wir jetzt aber schon mitten darin, wie Entschuldigungen gehen, aber da kommen wir erst später drauf. Der nächste Punkt, um den es geht, nachdem ich über die gewaltfreie Kommunikation gesprochen habe und darüber, dass die keine Schuld kennt, sondern dass dort Bedauern ausgedrückt wird, um Verbindungen zu schaffen und Bedürfnisse zu befriedigen, dass ich darüber spreche, wann können Entschuldigungen helfen. Also erst mal, wenn ich es fühle, wenn ich denke, oh, das habe ich blöd gemacht, ich möchte mich so gerne entschuldigen, ich möchte das gerne ausdrücken, dass ich das richtig blöd von mir fand. Dann kann das ein Selbstausdruck sein. Ja, ich möchte das einfach von mir aus sagen. Dann kann das total helfen, weil ein ehrlicher Selbstausdruck kommt meistens total gut an. Eine zweite gute Situation für eine Entschuldigung, die hilfreich ist, kann sein, immer dann, wenn die geschädigte oder die schädigende Person das wünschen oder richtig finden. Ja, also man kann ja um eine Entschuldigung auch bitten. Also dass ich sage, irgendwie würde es mir besser gehen, wenn du dich entschuldigst. Wäre dir das möglich? Ja, und da darf natürlich auch Nein gesagt werden, weil vielleicht fühlt die andere Person das ja gar nicht. Vielleicht denkt sie, sie hat gar nichts falsch, in dicken Anführungsstrichen, gemacht. Genau. Und wann kann eine Entschuldigung trotzdem helfen? Eigentlich fast immer im Konfliktfall, eben weil das eine Art von Befriedung ist. Die gesellschaftlichen Konventionen sagen ja auch, wenn sich jemand entschuldigt. Dann muss ich die Bälle flach halten, muss ich das annehmen. Das ist natürlich Quatsch, ich muss das gar nicht. Aber der Impuls ist erstmal ja, okay, Deeskalation und das kann immer hilfreich sein. Und ich möchte aber an der Stelle sagen, dass wenn ich auf einen Konflikt gucke, die Entschuldigung nur ein Teil der Konfliktlösung ist. Also ich arbeite immer mit drei Schritten, die Anerkennung des Schmerzes, Repair und Lösung. Also der Blick in die Vergangenheit, in die Gegenwart und in die Zukunft. Und die Entschuldigung ist nur der erste Teil, trägt aber meiner Meinung nach wirklich wesentlich zu Repair und Vertrauen in der Zukunft bei. Und da möchte ich dann tatsächlich auch auf die Folge verweisen, in der ich ein bisschen detaillierter auf diese drei Schritte eingehe. Das ist nämlich die Folge Umgang mit Betrug, Fortsetzung bei Minute 2,35. Und da gibt es, wie bei allen Folgen, ein Transkript, da könntest du das dann auch nachlesen. Genau, also jetzt habe ich über die GfK gesprochen, erstmal die Definition, dann die GfK, wann Entschuldigungen helfen können. Ich habe in der Einleitung noch ein weiteres Beispiel genannt, wann Entschuldigungen helfen können, wenn ich etwas anzeigen will. Aber wie gehen Entschuldigungen denn jetzt? Also erstmal ist mir wichtig, eine Entschuldigung kommt dann am besten an, wenn sie heartfelt ist. Also wenn ich sie wirklich in meinem tiefsten Innern spüre, wenn ich die Haltung habe, es tut mir leid, das war nicht in Ordnung. Ich habe Mitgefühl, ich habe Bedauern, ich habe das Bedürfnis, Verantwortung zu übernehmen und es wieder gut zu machen. Ich möchte das, was ich angerichtet habe, in Ordnung bringen. Denn diese Haltung ist total wirksam. Die kommt durch. Weil wir Menschen, ich weiß nicht, es gibt so Prozentzahlen, die habe ich jetzt vergessen. Aber was ich sage, ist nur irgendwie, also weit weniger als die Hälfte wichtig, wie der Ton, die Körpersprache. Ja, und ich bin ja Systemikerin, ich arbeite auch mit Aufstellungen. Und da sehe ich immer wieder, es gibt so Verbindungen zwischen Menschen, die können wir uns jetzt noch nicht so richtig erklären. Kann natürlich auch andere Erklärungen dafür geben, aber ich glaube, dass so Gesicht, also Mimik, Gestik und so, dass das unheimlich viel ausmacht und die Studien zeigen das halt auch. Der weitaus größte Teil sind nicht die Worte, sondern das, was dahinter steckt und an dieser Stelle steckt die Haltung. Ja, wie sehe ich das, fühle ich das oder nicht? Und ehrlich gesagt, ich würde mich nicht entschuldigen, wenn ich es nicht fühle. Das bringt einfach überhaupt nichts und sorgt auch dafür, dass die ganze Situation sich in eine Richtung entwickeln kann, die mir vielleicht gar nicht gefällt. Wenn ich dann defensiv bin, obwohl ich eigentlich mich aufregen sollte, weil jemand was falsch gemacht hat. Also ich würde eine Entschuldigung wirklich nur sagen, wenn ich es wirklich fühle. Wobei, wenn ich jetzt in der Menge jemanden anrempel, dann ist es natürlich nicht so, dass ich immer denke, oh Gott, das war schrecklich, sondern dass das auch eine gewisse Gewohnheit ist. Aber auch da entschuldige ich mich nicht, wenn ich den Eindruck habe, die andere Person hat es auch gesehen und hätte auch an die Seite gehen können. Also ich mache es wirklich nur, wenn ich denke, das ist jetzt angemessen. Wie geht Entschuldigung tatsächlich? Was ist das überhaupt? Es geht darum, Empathie zu geben. Es geht darum, selbst Empathie vielleicht sogar, aber vor allem der anderen Person Empathie zu geben, also Mitgefühl zu geben. Diese anderen Personen ihre Gefühle und unerfüllten und erfüllten Bedürfnisse zu benennen. Einfach, dass die andere Person sich gesehen fühlt, dass die im Mittelpunkt steht und dass mit einer ordentlichen Entschuldigung helfe ich, die anderen Personen zu reflektieren und zeige an, hey, ich sehe dich, ich habe mitgekriegt, was ich da gemacht habe. Also es geht um Empathie geben in erster Linie. Und es gibt Formulierungen, die du benutzen kannst, die eigentlich ganz gut helfen, dich dahin zu bringen, wo du eigentlich hin willst, nämlich in die Haltung der Verantwortungsübernahme, ins Empathie geben. Weil wenn du damit anfängst, dann kannst du nicht da reinrutschen, dich zu rechtfertigen oder so, damit du nicht abrutschst. Weil wenn ich mich entschuldige, geht es um die geschädigte Person und nicht um mich. Also na klar befriedige ich auch meine Bedürfnisse damit, Aber in erster Linie geht es um die geschädigte Person. Und wenn du anfängst, es tut mir leid, dass ich bedauere das oder ich wünschte, ich hätte lieber bla bla bla oder erst jetzt wird mir klar, dass... Ja, da kommst du eigentlich nicht auf andere Wege. Also das sind alles Ich-Botschaften. Da geht es die ganze Zeit darum, dahin zu gucken, was wäre besser gewesen, was war falsch oder was war für dich vermutlich ungünstig. Und natürlich kann ich das auch verkürzen. Ich kann auch sagen, sorry, dass ich, ja, klar kann ich Floskel nutzen, weil, also ich sage mittlerweile tatsächlich oft, ich bedauere das oder, ne, also so Sachen, die für manche Menschen vielleicht schwierig sind, aber ich schreibe das zum Beispiel selten, weil wenn ich das sage, dann kommt das ganz anders rüber, als wenn ich es schreibe. Und wenn ich es schreibe, wenn ich mich schriftlich entschuldige und ich gebe das manchmal Leuten zu lesen, dann sagen sie, oh, das kommt so kriecherisch, so unterwürfig runter. Und wenn ich das aber sage, das kann ich ja mit einer total breiten Schulter sagen, boah, ich bedauere das wirklich. Nicht so, ich bedauere das, sondern ich bedauere das wirklich. Zwar wirklich nicht in Ordnung. So, jetzt habe ich darüber gesprochen, wie gehen, Entschuldigung, also ich habe die Haltung, ich habe den Akt, Empathie geben, ja, ich habe die Formulierung. Wieso fällt uns das so schwer? Weil das ist ja eigentlich ganz einfach, ja. Und es fällt uns natürlich deswegen so schwer, weil wir eine schlechte Fehlerkultur haben. Wir haben keinen guten Umgang damit. Oft wird Männern beigebracht, dass sie keine Fehler machen dürfen. Wir haben eine Strafkultur. Wer Fehler macht, muss was bezahlen, muss ins Gefängnis, muss was weiß ich. Ich will auch gar nicht sagen, dass das falsch ist. In einer großen Gesellschaft ist es vielleicht genau das Richtige. Aber das sorgt natürlich dafür, dass ich immer vermeiden will, einen Fehler zu machen. Deswegen fällt es mir schwer, mich zu entschuldigen, weil das zugibt, dass ich einen Fehler gemacht habe oder etwas nicht Günstiges für andere Menschen gemacht habe. Und wenn wir über Fehlerkultur reden, reden wir auch oft über andere Länder. Aber wir reden nicht darüber, wo es eine gute Fehlerkultur gibt, Sondern wir reden darüber, wo es noch schlimmer ist, wo Menschen sich suizidieren, wenn sie was falsch gemacht haben. Vielleicht in früheren Kulturen. Jetzt ist das hoffentlich nicht mehr so. Aber wir reden, wenn nur, über Schlechtes. Wir haben da keine guten Vorbilder, wie ich gut mit Fehlern umgehe, mit einer Leichtigkeit und mit einer Selbstempathie und mit einer Selbstvergebung und so. Es gibt wenig gute Vorbilder. Also wieso sollten wir es gut können? Und außerdem ist in unserer Gesellschaft ziemlich häufig ein Glaubenssatz ungefähr in der Art verbreitet, wenn ich jemandem wehtue. vor allen Dingen Herzensmenschen, dann bin ich ein schlechter Mensch. Das heißt, wenn ich zugebe, dass ich einen Fehler gemacht habe, weil ich zugebe, dass ich bei einem Menschen Schmerzen ausgelöst habe oder ungute Gefühle, dann gebe ich zu, dass ich ein schlechter Mensch bin. Das denken wir vielleicht nicht immer wortwörtlich, aber das hängt oft dahinter. Gerade wenn ich das bei Herzensmenschen mache, bei Menschen, die mir wichtig sind. Und oft ist es auch so, dass ich ganz schlecht aushalten kann, wenn es Herzensmenschen schlecht geht. Vor allen Dingen, wenn ich dann auch noch schuld daran bin. Ich mag das. Also das ist für viele Menschen wirklich unhaltbar zu sehen, wie ihre Liebsten leiden. Also entschuldige ich mich auch nicht, weil dann würde ich da ja hingucken. Und es ist eine Vermeidungsstrategie, sich nicht zu entschuldigen an diesem Fall. Also wir wehren uns dagegen und können es uns selbst oft gar nicht eingestehen und machen es klein und so, weil wir es kaum aushalten. Aber eben dieses Kleinmachen und Abstreiten und Gaslighten, das ist oft genau das Falsche und es sorgt oft dafür, dass ein kleiner Konflikt zu einem Riesenkonflikt wird. Also wenn ich bei der Wiedergutmachung, bei dem Lösen des Konfliktes Gaslighte, also nicht sage ich bin schuld, sondern du bist schuld, wenn ich was abstreite oder das klein mache, dann verändert das den Konflikt oft unglaublich. Also dann tritt das, was tatsächlich passiert ist und zu dem Entschuldigungswunsch geführt hat, tritt auf den Hintergrund und das, was danach kommt, wird viel konfliktreicher. Deswegen ist eine gute Entschuldigung total hilfreich bei Konflikten, was natürlich letztendlich einer der Gründe ist, warum wir diese Folge machen. Und was mir auch noch wichtig ist, ich habe ja eingangs gesagt, Entschuldigungen können nerven. Das könnte ein Grund sein, warum du das hier hörst, weil es Entschuldigungen gibt, die einfach überhaupt keine sind. Und eigentlich ist es ganz einfach. Ich weiß überhaupt nicht, wieso manchmal erwachsene Menschen das gar nicht hinkriegen. Selbst meine 14-jährige Tochter hat das letztens zu mir gesagt. Und dann hat er gesagt, dass es ihm leid tut, dass es mir so geht. Das ist doch keine Entschuldigung. Stimmt, das ist keine Entschuldigung. Natürlich, also das ist eine Feststellung von Fakten. Und ich gehe ja mal von aus, dass wenn mein Herzensmensch etwas gemacht hat, was bei mir Schmerzen auslöst, dass es dieser Person leidtut, dass es mir schlecht geht. Also das ist ja eine Selbstverständlichkeit, das ist doch keine Entschuldigung. Das ist eine Sympathiebekundung, eventuell eine Empathiebekundung, aber ganz sicher keine Entschuldigung. Und ja, das ist ein guter Einstieg, würde ich mal sagen. Also bei Kleinigkeiten brauchen wir da gar nicht so tief reingehen, aber bei großen Konflikten, wenn betrogen wurde oder so, dann macht das einfach keinen Sinn, dann sowas zu sagen. Also es ist nicht falsch, aber es ist auch keine Entschuldigung. Genau, also ich möchte jetzt darüber sprechen, was es nicht ist, also was keine Entschuldigung ist und auch keine Entschuldigung sein sollte. Fange aber an mit den Teilen, die trotzdem hilfreich sein können, weil vielleicht fühle ich eine Entschuldigung nicht, möchte aber trotzdem irgendwas tun. Dann kann es zum Beispiel sinnvoll sein, zu trösten. Ja, also wie geht trösten? Das empfindet sicherlich jede Person anders. Trösten kann ein Ohr sein, wirklich gefühltes Ohr, über die Schulter streicheln, wirklich körperliche Anerkennung des Schmerzes. Jemanden trösten kann auch Ablenken sein oder was schenken oder sowas. Trost kann sehr unterschiedlich aussehen, aber Trost ist keine Entschuldigung, aber trotzdem oft sehr, sehr hilfreich. Und eine Entschuldigung ist auch nicht, also das kann Teil des Prozesses sein, aber die Absolution, ach kein Problem, war nicht schlimm oder so. Das kann natürlich auch hilfreich sein, ist aber auch keine Entschuldigung, natürlich. Also das ist logisch. Eine Erklärung, Kann auch manchmal hilfreich sein, also wenn ich erkläre, was ich gemacht habe, warum ich das gemacht habe oder wie das passiert ist zum Beispiel mit dem Autoschlüssel. Das kann hilfreich sein, weil alles, was sich blöd für mich anfühlt, kann ich besser aushalten, wenn ich verstehe, warum. Aber dann ist es eben wichtig, dass es dir gelingt, erstens die Erklärung nach einer Erklärung, nicht nach Rechtfertigung klingen zu lassen. Weil wenn ich erkläre, warum der Autoschlüssel verloren gegangen ist, ist das was ganz anderes. Oh Mann, es tut mir leid, so und so ist das passiert. Als wenn ich sage, ja und dann ist mir das aus der Tasche gefallen. Also ist ja klar, wenn ich die Jacke so gehalten habe, ist ja logisch, dass die rausfällt. Und da habe ich ja wohl gute Gründe gehabt. Also wie soll ich denn die ganze Zeit die Jacke so tragen? Eine Rechtfertigung ist nicht nur nicht hilfreich und bringt eine Aggression rein, weil ihr habt den Ton auch gehört, sondern es macht auch, also die Botschaft zwischen den Zeilen ist, ich hatte keine andere Wahl, ich bin auch ein Opfer, ich konnte gar nichts dafür, ich habe gar nichts falsch gemacht. Mir waren die Hände gebunden. Und das will die Person, die geschädigt wurde, ganz sicher nicht hören. Also das Erste ist, wenn es dir gelingt, es nach einer Erklärung zu klingen zu lassen, nicht nach einer Rechtfertigung. Und das Zweite ist, dass du ein Angebot machst, Bevor du die Erklärung gibst, würde es dir helfen, wenn ich dir erkläre, wie es passiert ist. Ja, also Freiwilligkeit. Und manchmal, also als ich das mit dem Schlüssel erklärt habe, habe ich danach nicht gefragt. Aber das kann unheimlich helfen, wenn ich der anderen Person, die jetzt gerade vielleicht total geschockt ist, die Möglichkeit gebe zu sagen, nee, jetzt gerade kann ich die Erklärung gar nicht gebrauchen. Weil dann ist es auch unnötig. Dann kann es, also Erklärung und Rechtfertigung ist ja nah beieinander. Und dann kann es sich nach einer Rechtfertigung für die andere Person anfühlen. Und das macht die Person klein. Also wenn ich etwas erklären möchte, Freiwilligkeit und bitte keine Rechtfertigung. Mitgefühlsbekundungen können auch total hilfreich sein. Empathie auf andere Weise geben, zu sagen, ach Mensch, du hast dich jetzt bestimmt so und so gefühlt oder könnte es sein, dass du dich so und so gefühlt hast. Bitte streich das Erste, denn wir wissen ja nicht, was in der anderen Person vorgeht. Wir wollen ja keine Zuschreibungen machen, aber du kannst Angebote machen. Und Mitgefühlsbekundungen, das tut mir leid, das ist ja wirklich blöd gelaufen oder so, das kann auch helfen. Sympathische Äußerungen, so mitschwingen, das ist mir auch schon mal passiert, oh Mann, das ist ja ärgerlich. Ja, sowas kann auch helfen. Es ist auch keine Entschuldigung, aber es kann helfen. Und auch Reparaturhandlungen oder Verantwortungsübernahme kann helfen, ist aber keine Entschuldigung. Ja, wenn ich losgehe und ich habe das mit meinem Gestikulieren das Eis meiner Freundin aus der Hand geschlagen und gehe sofort los und hole das gleiche Eis nochmal, ist das super toll und kann sicherlich hilfreich sein, aber es ist keine Entschuldigung. Das sind aber alles Sachen, die trotzdem hilfreich sein können. Das, was nicht hilfreich ist und was definitiv auch keine Entschuldigung ist, ist abstreiten, schaden, kleinreden, richtigstellen. Also, ja, so schlimm war das ja nicht. Und das habe ich ja gar nicht so gemeint. Oder eine Defensivität, ja, da kann ich ja nichts zu. Ja, dann guck doch mal, was hätte ich denn anders machen können? Ja, das hilft ganz, ganz sicher nicht. Und es ist keine Entschuldigung. Es hilft auch nicht, ins Gegenteil zu gehen. Also, die ersten beiden Sachen waren ja, also abstreiten und rechtfertigen waren ja, Schaden von mir weisen, da ist gar nichts passiert. Aber in den Schmerz total reingehen. Oh Gott, was habe ich getan? Ich bin ja so schrecklich, wie konnte mir das passieren? Hilft nicht, weil es den Fokus wieder auf mich bringt, auf die schädigende Person. Ja, das bringt einfach den Fokus weg von der Person, die gerade Empathie braucht. Und es bringt mich ja aus der Augenhöhe raus. Wie kann denn die geschädigte Person noch sagen, Mann, mein Fuß tut mir wirklich weh, wo du draufgetreten bist, wenn ich schon im Staub krieche? Ja, das geht ja gar nicht. Ich kann die Person, die im Staub kriecht, ja gar nicht mehr belasten. Also das heißt, wenn ich so mich selber abwerte, Das ist unangenehm, das verschiebt den Fokus und das sorgt dafür, dass die Augenhöhe flöten geht. Also das bringt der geschädigten Person überhaupt nichts. Also es geht da wirklich darum, den Fokus bei der geschädigten Person zu halten und das auch auszuhalten und nicht um Regulation zu bitten. Natürlich darf dir das leid tun und natürlich kann es auch sein, dass du dich fühlst, als wenn du im Staub kriechen musst. Aber dann mach das mit jemand anders. Geh woanders hin und lass dich von jemand anders ausschimpfen oder wenn du das brauchst. Aber macht es nicht mit der geschädigten Person, weil die ist nicht. Die ist schon geschädigt. Die hat nicht auch noch dich zu halten. Und ganz ehrlich, das, was jetzt kommt, ist ein bisschen unangenehm und es piekst vielleicht ein paar Leute an, weil es geht um Männer und Frauen. Mir ist klar, dass wir mehr als zwei Geschlechter haben. Und natürlich gilt das nicht grundsätzlich so. Seht bitte jeweils Männer und Frauen mit Sternchen. Aber wie oft ich es in meiner Praxis erlebe, dass es eine. Heterodynamik gibt, in der die Frau etwas kritisiert am Mann und der Mann geht in die Defensivität, streitet es ab oder fällt völlig zusammen, sodass es dann am Ende nicht um die geschädigte Person, um die Frau geht. War blöd, tut mir leid, mache ich in Zukunft anders. Sondern, dass die Frau dann auch noch als geschädigte Person den Schädigenden trösten muss. Und das ist ganz oft in einer Heterodynamik so. Ich will gar nicht sagen, dass es in einer gleichgeschlechtlichen Dynamik oder bei Transmenschen oder nicht-binären Menschen nicht genau so eine Dynamik auch geben kann. Aber es ist, wenn ich Mann und Frau habe, ist es in 99 von 100 Fällen genau in dieser Rollenverteilung. Und woran liegt das natürlich? Also Männer sind ja keine Arschlöcher. Ja, die haben nicht gelernt, sich zu, auch hier wieder mit dicken Sternchen. Es gibt auch männlich sozialisierte Frauen und andersrum. Aber die haben es nicht gelernt. Die dürfen keine Fehler zugeben. Die wissen nicht, wie Selbstregulation geht. Selbst meine Schwiegermutter hat noch zu mir gesagt, naja, soziale Sachen zu regeln, ist halt Frauensache. Das war früher normal, aber ist es jetzt nicht mehr. Und Männer dürfen das lernen und Frauen dürfen lernen, nicht diesen Verantwortungsball, der einem dann zugeworfen wird, aufzufangen. Ich kann ihn einfach runterfallen lassen. Und das ist hart, weil dann bin ich nämlich in der Position, zugucken zu müssen, wie mein Herzensmensch leidet, obwohl ich es ja verhindern könnte. Aber es gibt da Grenzen. Und wenn es dann immer nur darum geht, dass die Frau den Mann reguliert, das höhlt total aus. Ich habe es jetzt letztens in Beziehungsweise Anarchie nochmal gelesen, dass diese Erschöpfung, die Frauen dann haben irgendwann in ihren 40ern, 50ern, das ist. Systemisch. Frauen sind oft für die emotionale Fürsorge zuständig und sind dann irgendwann so erschöpft, weil das kostet so viel Kraft. Ich bin geschädigt, muss zwei Leute halten, anstatt gehalten zu werden. Das kostet wahnsinnig viel Kraft. Also, lernt euch richtig zu entschuldigen, lernt für euch einzustehen, wenn ihr merkt, das ist nicht genug. Das muss ja nicht in dem Moment sein. Ja, das kann auch später in einem ruhigen Moment sein. Es kann auch sein, dass du sagst, weißt du, ich hätte mir gewünscht, dass du anerkennst, wie schlimm das für mich war. Wir müssen da gar nicht wieder reingehen, aber ich hätte mir das gewünscht. Nur, dass du Bescheid weißt. Ohne die Haltung des Vorwurfs, sondern wirklich als Information. Vielleicht magst du darüber nachdenken, es beim nächsten Mal anders zu machen. Eine Information, damit, wenn du dann beim nächsten Mal in dem Fall, dass die andere Person sich beschissen entschuldigt, sagst und das reicht mir gerade nicht, ich werde jetzt hier dieses Gespräch nicht weiterführen, denk mal darüber nach, was du gemacht hast, damit es dann nicht zu einem Eklat kommt, sondern damit die andere Person das Kommen sieht. Weil wenn ich von links auf rechts mich plötzlich drehe und ich plötzlich anfange, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen, schwinge ich oft über das Ziel hinaus und das ist für die andere Person auch unfair. Und das vorsichtig anzukündigen und zu sagen, weißt du, ich hätte mir gewünscht das und ich schätze das sehr, dass du mir Mitgefühl entgegengebracht hast, also es ist keine Entschuldigung, wenn du sagst, dass es dir leid tut, wie es mir geht, weil wenn du mich ins Gesicht schlägst und dann sagst, tut mir leid, dass dir das wehtut, dann klingt das so, als wenn ich auch entscheiden könnte, dass es mir nicht wehtut, aber es tat weh, ja und das einfach im Kopf zu haben, das bringt aber nichts in der akuten Situation, wenn ihr merkt, die Entschuldigung hat nicht das, was du brauchst, was ihr braucht, dann geht woanders hin, holt euch die Empathie selber, guckt, Welche Gefühle habe ich gerade? Welche Gefühle hätte ich gerne? Welche Bedürfnisse sind erfüllt worden? Welche Bedürfnisse sind nicht erfüllt worden? Geht in die Selbstempathie und dann klärt es im Nachgang. Also was eine Entschuldigung nicht sein sollte, eine Erklärung, kann aber auch helfen. Mitgefühlsbekundung, sympathische Äußerungen, Reparaturhandlungen oder Trost, kann aber helfen. Und was es definitiv vermeiden sollte, ist in den Staub zu kriechen oder total in den Schmerz reinzugehen und dann die Regulationsmacht quasi zu verschieben oder den Schaden abzustreiten und euch zu rechtfertigen. Genau, damit sind wir am Ende der Folge. Was ist mein Fazit? Also, das habe ich, glaube ich, sehr deutlich gesagt und das begegnet mir auch immer wieder. Entschuldigungen sind keine Mitgefühlsbekundungen, Ausrufezeichen. Eine Entschuldigung ist eine Anerkennung des Anteils der schädigenden Person. Und des Schmerzes der geschädigten Person. Und das kann verbal und durch Handlungen passieren, wobei eine echte Verantwortungsübernahme eigentlich nicht in die Entschuldigung mit reingehört. Eine Entschuldigung wirkt durch Bedürfnisbefriedigung und Empathie. Das ist es, worum es geht. Und die Haltung daran ist das Relevante. Ich hoffe, die Folge war hilfreich. Wenn das alles zu schnell war, dann geh doch gerne mal auf unsere Homepage mopoco-podcast.de. Da findest du nämlich von jeder Folge ein Transkript. Das kannst du direkt nutzen oder du kannst es in irgendein KI reinhauen und dir die Essenzen rausziehen lassen. Das geht mit unseren Transkripten, die natürlich durch KI entstanden sind, die aber korrigiert werden und nachgelesen werden, wo die Sprecher korrigiert werden. Die haben wirklich eine ziemlich gute Qualität. Wir stecken da viel Energie rein. Guck dir die an. Ja, und da kannst du dir dann Sachen rausschreiben und kannst dir das vielleicht für deinen nächsten Konfliktfall merken. Und jetzt wünsche ich noch einen fantastischen Tag. Bis dann. Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden.

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