Mono, Poly & Co

Dein Wissens-Podcast rund um Beziehungsgestaltung

#124 - Balance zwischen geliebten Menschen in der Praxis

Priorität Sexdates, Freundschaft versus Partnerschaft, Auswirkungen NRE auf das System

03.05.2026 24 min

Zusammenfassung & Show Notes

Balance zwischen Freundschaft, Sexdates und NRE: Wie verteilst du Zeit fair? Sonja gibt konkrete Impulse für Balance und klare Kommunikation.

In dieser Praxisfolge geht es um die alltägliche Frage: Wer bekommt wann wie viel Zeit und Aufmerksamkeit? Anhand von drei häufigen Phänomenen – Freundschaft vs. Partnerschaft, Prioritäten rund um Sexdates und die Dynamik von NRE (New Relationship Energy) – lädt Sonja zu ehrlicher Reflexion, klarer Kommunikation und rücksichtsvollen Absprachen ein. Ziel: Balance finden, ohne sich selbst zu verlieren.

📌 Themen dieser Folge:
  • Freundschaft vs. Partnerschaft: Warum Freundschaften ein tragendes Netzwerk sind – und was wir vom Jonglieren unserer Freundschaften auf Partnerschaften übertragen können
  • Sexdates und Prioritäten: Sexualität ist ein legitimes Bedürfnis und darf bei der Zeitplanung eine Rolle spielen – rücksichtsvoll und bewusst
  • NRE – New Relationship Energy: Auswirkungen auf Aufmerksamkeit, Zuverlässigkeit und Gruppendynamik im gesamten System
  • Absagen sind keine Beziehungsaussage: Warum Verschiebungen und Priorisierungen nicht automatisch bedeuten, dass jemand weniger wichtig ist
  • Transparenz frühzeitig leben: Höflichkeit vs. eigene Bedürfnisse, People‑Pleasing hinterfragen, den eigenen moralischen Kompass ernst nehmen
  • Ausnahmen vs. neue Regeln: Konsens halten, Stabilität schaffen – und sich selbst dabei nicht verlieren
💡 Das Wichtigste in Kürze
  • Freundschaften sind Ressourcen für Stabilität und dürfen aktiv priorisiert werden. Und: Wer mehrere Freundschaften jonglieren kann, bringt schon Erfahrung für Beziehungsbalance mit.
  • Sex ist ein legitimes Bedürfnis und kann in der Zeitplanung berücksichtigt werden – offen, rücksichtsvoll, konsensual. Aber: Der Suchtfaktor darf reflektiert werden.
  • NRE kann das System durchwirbeln; Gefühle wie Neid oder Wehmut sind okay und brauchen Raum. NRE ist endlich – die stärkste Phase dauert meist nur wenige Wochen.
  • Absagen und Verschiebungen sind keine Beziehungsaussagen – frühes, transparentes Kommunizieren verhindert Missverständnisse.
  • Ausnahmen können hilfreich sein, sollten aber nicht inkonsentuell zur neuen Regel werden.
  • Nimm dich selbst ernst: Deine Bedürfnisse und dein moralischer Kompass dürfen sich von denen anderer unterscheiden.
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Transkript

Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Hey, schön, dass du wieder dabei bist bei einer neuen Praxisfolge von MoPoCo. Ich schließe mich an die letzte Folge, in der es darum geht, Sex, Liebe, Freundschaft, Romantik, was ist eigentlich wichtiger? Oder aber auch, wie finde ich eine gute Balance zwischen meinen geliebten Menschen? Hör also gern in die vorherige Folge rein, wenn du magst. Heute geht es um die praktischen Aspekte davon. Die Aufmerksamkeit zwischen Menschen verteilen kann ja sowohl von meiner Energie als auch von meiner Zeit her wirklich herausfordernd sein. Und das wird nicht leichter, wenn viele Menschen beteiligt sind. Vor allem, wenn ich das dann dabei auch noch allen recht machen will und wenn ich mich dabei nicht vergessen will. Und bezogen auf diese Aspekte möchte ich heute drei Phänomene aus meiner Praxis als Paarberaterin rausgreifen. Es gibt drei Phänomene, die ich rausgreife, nämlich einmal Freundschaft versus Partnerschaft. Kennt ihr ja alle. Es gibt eine neue Partnerschaft und plötzlich sind die Freundys nicht mehr so wichtig. Das zweite ist, dass es eine Priorität in Bezug auf Sexdates gibt. Da habt ihr vielleicht noch nicht so viel Berührung mit gehabt, das möchte ich aber gerne vorstellen. Und das dritte sind die Auswirkungen von NRE, also New Relationship Energy, also Verliebtsein auf das gesamte System. Und da erkläre ich auch, was ich genau mit dem gesamten System meine. Das erste Phänomen ist eben. Wenn Freundschaften von Partnerschaften irgendwie beeinflusst werden, also wenn es sowohl Partnerschaften als auch Freundschaften gibt, auch im monogamen Setting ist das ja durchaus mal der Fall, und dann einfach immer mal wieder priorisiert wird. In unserer westlichen Gesellschaft häufig so, dass die romantische Beziehung automatisch Vorfahrt hat. Ich möchte allerdings eine Lanze für die Freundschaft brechen, denn ich sage das ganz oft, jede Beziehung ist nur so gut wie das Netzwerk, das sie trägt. Da gehören die Freundinnen halt auch dazu. Freundschaften sind wichtig für die psychische Gesundheit. Sie sind wichtig für die eigene Stabilisierung. Sie sind wichtig für Abwechslung, neue Impulse. Und da möchte ich wirklich nochmal anregen, da umzudenken, dass Partnerschaften nicht automatisch Vorfahrt haben, automatisch die einzigen sind, die Einfluss darauf haben, wo eine Person wohnt oder wie sie arbeitet oder so. Sondern da durchaus die Freundschaften, die oft ja länger dauern als die Partnerschaften, Ernster zu nehmen und mit in diese Entscheidung mit einzubinden. Also da rege ich ein Umlenken an, weil das für alle ein bisschen schöner ist. Selbst für die Partnerschaften, weil die haben ja dann auch Freundschaften, die sie dann auch, Selbst wenn sie denken, du ziehst die Freunde vor, haben sie vielleicht auch Freunde, die sie dann auch vorziehen wollen. Das ist eigentlich, finde ich, eine gute Entwicklung, weil Verbindungen sind einfach super wichtig für Menschen und sie werden immer wichtiger in unserer wirklich instabilen, durcheinanderen Welt gerade. Ole Liebl hat da zum Beispiel ein Buch zu geschrieben, Freunde lieben, das da wirklich gute Gedankenanstöße bringt. Er hat auch einen Insta-Kanal. Der Vorteil, also wenn ich darauf gucke, Freundschaft versus Partnerschaft, da ist der Vorteil, dass ich ja beim Jonglieren schon ein bisschen Erfahrung habe. Also die meisten Menschen haben ja glücklicherweise nicht nur eine Freundin oder Bekannte, sondern mehrere. Und da muss ich ja auch zwischen jonglieren und gucken, wie mache ich das? Also auch Arbeitskollegen oder Verwandtschaft, die muss ich ja auch priorisieren. Also wann fahre ich zu welchem Geburtstag und so. Da habe ich ja dann schon Erfahrung drin und das kann ich total nutzen, um zwischen Partnerschaft und Freundschaft eine gute Balance herstellen zu können. Und wenn ich merke, ich habe schon beim Priorisieren meiner Freundin oder beim Priorisieren meiner Verwandten Probleme damit, dann darf ich da hingucken. Wenn das mehr Stress macht, dann gibt es vielleicht Möglichkeiten, das zu lösen. Also manchmal gibt es ganz klare, lösbare Probleme wie Glaubenssätze oder gesellschaftliche Erwartungen oder eigene Erwartungen. Manchmal geht es insgesamt darum, ein bisschen gelassener zu werden und unterscheiden zu können, was eigentlich People-Pleasing ist, also eine ungesunde, ich mache das, damit ich lieb gehabt werde. Oder eine gesunde Haltung mit, ich möchte einfach meinem moralischen Kompass folgen und da was Nettes tun. Und da ist es eben ganz wichtig, auf den eigenen Kompass und die eigene Moral zu hören und sich selbst da auch ernst zu nehmen. Denn die meisten Menschen sind keine Arschlöcher. Die meisten Menschen wollen eine gute Gemeinschaft, wollen nett zu anderen Menschen sein. Und da darfst du dich durchaus ernst nehmen, selbst wenn deine Moral sich von der Moral einer anderen Person unterscheidet. Aber trotzdem bist du ja nicht falsch, sondern du entscheidest halt anders und du darfst eine andere Meinung dazu haben. Und wenn die Person damit nicht einverstanden ist und auch ihr nicht zusammenkommen könnt, weil auch Verhandlungen da kein Einvernehmen reinbringen, dann ist es vielleicht die falsche Person. Also was ist wichtig dabei, wenn ich mehrere Menschen jongliere? Ich sollte früh, transparent, ergebnisoffen kommunizieren. Ja, also wenn Dates aufkommen, ich werde jetzt gleich auch ein Beispiel noch bringen, wo es Konflikte gibt, wo ich einfach sagen muss, ich kann das nicht beides machen, dann sollte ich das früh ansprechen und nicht am Abend vorher. Ich sollte transparent sein. Welche Verabredung habe ich zuerst gemacht? Welches Commitment habe ich zuerst gemacht? Und ich sollte ergebnisoffen sein. Also es kann ja durchaus sein, dass die andere Person sagt, ach, das trifft dich ja super. Ich habe auch eine andere Anfrage. Können wir das verschieben? Ja, also seid da ergebnisoffen und kommuniziert früh und transparent. Und Achtung, wenn mehrere Menschen involviert sind, dann kickt natürlich die Gruppendynamik. Entweder, weil es ein Freundeskreis ist, die miteinander reden und dann ich ein komisches Gefühl habe und Angst davor, ausgeschlossen zu werden. Oder weil ich insgesamt ein Thema mit ausgeschlossen werden habe, was tatsächlich viele Menschen haben. Und ich einfach nur denke, die anderen finden mich jetzt alle blöd, jetzt habe ich es mir mit allen versaut. Also da wirklich gut auf die Gruppendynamik, die echte Gruppendynamik und aber auch mein Gefühl dazu zu gucken. Und ich finde es an der Stelle auch total wichtig, mit meinen Freundinnen und Partnerschaften darüber zu reden, was sie für Erfahrungen haben, was die sich wünschen, was sie für Erwartungen haben, was die für Fähigkeiten haben, ob ich da vielleicht was lernen kann. Also sprecht das ruhig an. Guckt in eurem Umfeld und guckt da auch anderen Leuten zu, wie die das regeln. Guckt auch darauf, wie mit euch umgegangen wird und was ihr daran gut findet und schaut, was ihr umsetzen möchtet. Das geht natürlich nicht alles von heute auf morgen. Manchmal klappt es dann eben doch nicht, weil vielleicht eine Person doch wieder ein bisschen intransparent ist oder es nicht transparent kommunizieren konnte. Also viele Menschen sind sich selber gegenüber ja gar nicht wirklich ehrlich. Nicht, weil sie blöde Menschen sind, sondern weil uns Höflichkeit an so vielen Stellen wichtiger ist als die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen. Okay, ich habe gerade ein Beispiel versprochen. Also ein Beispiel wäre, ich habe eine Einladung zu der Geburtstagsparty von einem Freund von mir und dann kommt irgendwie zwei Wochen vor diesem Termin, den ich schon vielleicht sechs Monate, zwei Monate zugesagt habe, kommt eine andere Person und sagt, an dem Abend spielt die und die Band in der Stadt, willst du mit mir nicht da hingehen und es ist deine Lieblingsband. Und jetzt hast du auch bei dem Geburtstag schon zugesagt und du hast das Geburtstagsgeschenk auch schon gekauft und du hast auch schon gecheckt, es ist zeitlich genau gleich, du kannst also nicht beides machen nacheinander. Ja, was machst du da? Und da finde ich, ist eine Transparenz total wichtig. Wenn das natürlich eine Geburtstagsparty ist, wo 200 Leute eingeladen sind und es ist super aufwendig, dann würde ich mir überlegen, ob ich zwei Tage vor der Party oder zwei Wochen vor der Party dann die gastgebende Person noch anspreche, ob sie mit mir dieses Problem lösen will. Aber ich finde, es lohnt sich da ehrlich zu sein und auch zu erzählen, was da passiert. Weil oft werden Absagen, Verschiebungen, Verkürzungen ja als Beziehungsaussage genommen. Also wenn eine Person absagt, dann hat sie mich weniger lieb oder jemand anderes ist wichtiger oder was weiß ich. Aber wenn ich im Vorfeld schon klar mache, hey, ich würde total gerne beides machen, hier sind mir die Hände gebunden. Und wenn ich nicht, was weiß ich, zu dem 50. Meiner Tante gehe, ist die auf Jahre sauer und du hast keinen runden Geburtstag oder du hast ganz viele Menschen und sie hat nur zwei eingeladen. Also einfach transparent machen, wie ich mich fühle, damit eben nicht eine Beziehungsaussage daraus gewählt wird und damit die andere Person, wenn sie das doof findet, auch Raum hat, das auszudrücken. Genau, das war das erste Beispiel aus meiner Praxis, Freundschaft versus Partnerschaft. Also nehmt Freundschaften durchaus manchmal auch ein bisschen ernster und guckt, welche Erfahrungen und Erwartungen ihr übertragen könnt. So, das zweite Phänomen ist, dass es Menschen gibt, die gerne Sexdates priorisieren möchten, weil sie vielleicht eine hohe Libido haben. Und sich das aber nicht trauen, mit ihrer Partnerperson zu besprechen. Also wir sprechen hier von einem Polyamoren-Setting. Aber das gibt es natürlich auch in monogamen Settings. Also nehmen wir an, ich habe zwei gute Freundys. Mit denen habe ich keinen Sex. Nicht per se. Ich bin ja dafür, dass man auch mit Freunden durchaus Sex haben darf, wenn das zur Bedürfnisbefriedigung dient. Aber wir sprechen ja hier von einem monogamen Setting. Und dann lerne ich jemanden neuen kennen und mit dem habe ich Sex. Und der Sex ist großartig. So, jetzt treffe ich mich vielleicht jeden Donnerstag mit diesen beiden Freundinnen. Und wir essen Pizza und es ist richtig toll und cozy. Und dann kommt halt so ein Typ daher und der hat leider nur donnerstags Zeit. Was mache ich da? Die meisten Menschen in meiner Beratung trauen sich dann nicht, das anzusprechen, weil sie sagen, naja, ich kann doch nicht Sex vorziehen. Und Sex wird ganz oft so abgewertet. Aber ich meine, Körperkontakt und Sexualität sind beides eigene Bedürfnisse. Also ich kann das auch als Bedürfniserfüllungsstrategie nutzen, aber es können auch eigene Bedürfnisse sein. Sind wir doch mal ehrlich, wenn ich total untervögelt bin, dann geht es mir nicht gut. Und wenn ich mich dann entscheiden muss, also ich meine, da könnte ich doch dann mit den Freundinnen vielleicht mal sprechen und mal fragen, ist es vielleicht möglich, dass ich für die nächsten drei Monate bis klar ist, ob das was Ernstes ist oder nicht und die andere Person vielleicht die Woche noch mal ein bisschen klärt, könnte ich da vielleicht das ein oder andere Date ausfallen lassen oder könnten wir vielleicht den Tag wechseln? Also was spricht dagegen, darüber zu sprechen, dass ich mir ein Bedürfnis oder einen Wunsch erfülle? Also wenn ich gerade dabei bin, mich sexuell auszuleben und dann kommt eine Person, wo ich denke, das könnte echt rewarding sein, also echt belohnenswert für mich sein. Warum sollte ich das nicht priorisieren über eine Freundschaft, solange ich dafür sorge, dass die Freundschaft dadurch keinen Nachteil hat? Und in einem polyamoren Setting ist es halt genauso. Also es geht da einfach um die Bindung mit Menschen und dass, wenn ich Sexualität vorziehe, dass auch das keine Beziehungsaussage ist, sondern dass Körperlichkeit und Sexualität einfach wichtig sind für die meisten Menschen oder vielleicht nicht für die meisten Menschen, aber für einige Menschen. Und ich finde, das darf auch so sein, weil es gibt eben Menschen, die haben eine hohe Libido und dann müssen die auch für sich sorgen. Also ich meine, wenn ich viel Hunger habe, muss ich ja auch viel essen. Da sagt diese Gesellschaft auch nicht, was? Du isst mehr als ich? Das geht ja gar nicht. Wir erlauben uns total wenig Sexualität zu priorisieren, aber ich finde, das ist genauso valide, wie dass ich total Lust habe, regelmäßig Badminton zu spielen. Und es wird dann auch ganz oft abgewertet und da möchte ich gerne eine Lanze für brechen, dass das nicht mehr so ist. Ich muss allerdings dabei sagen, Sexualität hat einen extrem hohen Suchtfaktor oder kann einen extrem hohen Suchtfaktor haben. und das darf ich auch bedenken. Wenn ich anfange, Sexualität wirklich brauchen zu müssen oder zu brauchen, dann darf ich das durchaus hinterfragen und dann kann es durchaus sinnvoll sein, dieser Sehnsucht nicht immer sofort nachzugeben. Was ich auch bedenken darf, als jemand, der nicht Sexdates priorisiert, sondern dessen Date abgesagt wird, aufgrund von sexueller Priorisierung, der sexuelle Sog verändert sich ja. Üblicherweise, gerade wenn ich Menschen neu kennenlerne, ist der sexuelle Sog am Anfang total groß und dann wird er weniger und dann kriege ich wieder mehr Raum und auch hormonell verändert sich das ja. zyklusbedingt oder auch mit dem Alter. Ja, also dieser Sog, der da ist, der hat, ehrlich gesagt, an manchen Stellen oft wenig Aussage über die Beziehungsrelevanz. Also nur weil ich, wo ich die Person neu kennenlerne, total viel Lust habe, weiß es ja nicht, dass das immer so bleibt. Und das heißt auch nicht, dass diese Person wichtiger ist als eine Freundschaft, sondern es gibt halt da Bedürfnisse, die einfach erfüllt werden konnten. Und dann sollte man die Chance auch nutzen. Und es wird ja auch zum Beispiel keiner sich darüber aufregen, dass ich weniger daten kann, weil ich dreimal die Woche ins Fitnessstudio gehe. Also dann sagen alle, ja, du sorgst gut für dich, wie schön. Und dann sind alle verständnisvoll. Aber wenn es um Sex geht, was ja auch eine sportliche Komponente hat, by the way, da sind dann viele Menschen wirklich nicht besonders unterstützend. Das heißt, wenn ich klar und bewusst umgehe damit, dass Sex-Priorisieren okay ist, solange ich das rücksichtsvoll tue, das kann für alle nur hilfreich sein. Und die Personen, die darunter in Anführungsstrichen leiden müssen, die dürfen sich vielleicht melden, wenn sie merken, Mensch, ich habe gerade das Gefühl, dass du mich gar nicht mehr wichtig findest. Und dann können durch Gespräche oder andere Dates an anderen Tagen das nochmal aufgefangen werden. Außerdem ist mir noch wichtig, dass Intimität und Nähe auch anders hergestellt werden kann als über Sexdates. Und da wäre halt die Frage, worum geht es mir denn eigentlich? Geht es mir vielleicht um Bestätigung? Geht es mir tatsächlich um die Befriedigung von Lust? Geht es mir um Vielfalt? Geht es mir um Abenteuer? Da drauf zu gucken kann hilfreich sein, um dann zu schauen, passt meine Priorisierung für mich? Auch hier möchte ich gerne ein Beispiel geben. Also grundsätzlich finde ich das, wie ihr sicherlich bemerkt habt, total passend. Sexdates zu priorisieren, wenn das sich für mich stimmig anfühlt. Hat natürlich auch Nachteile, klar. Aber es gibt natürlich Situationen, wo ich als Paarberaterin auch mal sage, schaut doch da mal hin. Also zum Beispiel, wenn eine Bestandsbeziehung relativ abständig läuft und die Menschen miteinander gar nicht viel Intimität mehr teilen, sowohl körperlich als auch, und das ist das viel größere Problem, emotional. Und einer Person eben diese Intimität fehlt und sie dann deswegen auf Sexdates geht und die priorisiert, kann das eben dazu führen, dass die ohnehin schon abständige Beziehung, weil dort Intimität fehlt, sich noch weiter entfernt voneinander. Und das kann dann wirklich schädlich sein. Also an der Stelle dürfen die Menschen auch vorsichtig sein. Also das ist halt immer so, wenn ich, also es ist grundsätzlich voll fein und auch gesund, mir Bedürfnisse außerhalb meiner monogamen oder polyamoren Beziehung zu erfüllen. Allerdings, wenn das dann dafür sorgt, dass die Bestandsbeziehung überhaupt keine Intimität und Nähe mehr hat, überhaupt keine Gemeinsamkeiten mehr hat, dann kann das natürlich schwierig werden. Also es sollten nur die sein, die wirklich, also es sollte einen gewissen Grundstock an Bedürfnissen und Wünschen geben, die innerhalb der Beziehung gut erfüllt wird. Sonst läuft irgendwas schief und die Beziehung wird sich weiter auseinanderleben. Also da darf es durchaus mal drauf geguckt werden, wie viel Nähe gibt es überhaupt in der Beziehung. Und manchmal ist ja auch eine Beziehungsverletzung oder ein altes Trauma dafür zuständig, dass Menschen sich nicht so nah miteinander verhalten können, wie das beide eigentlich brauchen. Manchmal lohnt es auch einfach darüber zu reden, weil eine Person das vielleicht noch nie so wirklich kommuniziert hat und die andere Person ein anderes Nähebedürfnis hat. Also wenn ich merke, dass die Sachen, die ich bezogen auf körperliche Intimität außerhalb der Beziehung mache, wenn ich merke, dass das mit meinen Freundschaften was macht oder wenn ich merke, dass das mit den anderen Partnerschaften was macht, dann lohnt es sich durchaus, da mal hinzuschauen. Okay, also Priorität, Sexdate. Voll fein, wenn du dich danach fühlst. Musst du aber auch nicht. Es gibt auch viele Menschen, die haben keine große Libido und denen bringt Sexualität nichts. Dann vergiss diesen Punkt. So, als drittes habe ich die Auswirkungen von NRE auf das gesamte System. Also erstmal NRE, New Relationship Energy. Damit ist im Wesentlichen verliebt sein gemeint. Also einen Crush haben, kribbeln, rosa-rote Brille. Aber ich kann auch unabhängig von romantischen Bindungen NRE haben, einfach weil ich einen Menschen kennenlerne, den ich gerade so faszinierend finde. und dann möchte ich ihn total häufig sehen und bin ganz aufgepusht und habe ganz viel Energie. Das ist erstmal NRE. Und dann haben wir, wie ich gerade gesagt, Auswirkungen auf das ganze System. Was heißt das genau? Mit dem ganzen System meine ich die Menschen. Die sind an sich schon ein System und aber auch das ganze Konstrukt. Also alle Menschen, die für mich relevant sind. Das ist ein System. Und darauf hat NRE Auswirkungen. Und das ist bei Mono natürlich anders als bei Poly, wobei die Mechanismen gleich sind. Also ob ich nun eine Monobeziehung anstrebe, Da kann ich halt, wenn ich gerade Single bin, dann unternehme ich vielleicht gerade total viel mit meinen Freundinnen. Und wenn dann eine neue Person kommt, dann geht das Ganze plötzlich auf Null, weil ja dann nur noch die neue Person wichtig ist. Dieses Phänomen gibt es ganz viel. Und im Poly-Kontext kann es eben auch passieren, dass ich plötzlich mehr Zeit für eine Person brauche, als ich eigentlich standardmäßig habe und die dann eben bei den anderen Menschen abknapsen muss. Im Idealfall mache ich das mit guten Gesprächen und Vorwarnungen und Konsent, aber manchmal passiert das eben auch nicht. Zumal NRE ja nicht nur bedeutet, dass ich jemandem meine Aufmerksamkeit schenke, Sondern auch, dass ich nur noch über diese Person rede und dass mich alles andere nicht mehr interessiert und dass ich alles langweilig finde und dass ich einfach auf Wolke 7 bin. Und das macht einfach was mit dem System. Das hat Auswirkungen auf meine Zuverlässigkeit, es hat Auswirkungen auf meine Aufmerksamkeit und Zeitaufteilung. Und das hat einfach große Auswirkungen. Also NRE kostet Zeit und Kraft und Intelligenz. Und NRE kann sich auch bedrohlich anfühlen, Denn im Grunde genommen weiß ja keine Person, Ob diese neue Verbindung irgendwie bedrohlich für irgendwas werden kann. Ich weiß nicht, ist das eine langjährige, verbindliche Partnerschaft oder wird das nur ein Casual Dating oder keiner weiß im Grunde genommen, wie wichtig diese Beziehung wird. Und deswegen kann die sich schon mal bedrohlich anfühlen. Und das darf ich als jemand, der davon negative Gefühle empfindet, auch anerkennen. Und da darf ich mich um mich kümmern. Da ist dann nicht die Person, mit der ich für zuständig, sich darum zu kümmern, aber mit der darf ich auch darüber reflektieren und darf auch teilen, was in mir vorgeht. Und das stärkt dann wieder die Bindung zu diesen Menschen. Und NRE kann Neid und sogar Wehmut auslösen. Also wenn ich das Glück habe, nach der Verliebtseinsphase in eine langjährige, tiefe Liebe zu kommen, dann ist das was Wunderbares. Aber es ist eben auch ganz anders als NRE. Und vielleicht wünsche ich mir, das auch wieder zu erleben. Dann bin ich neidisch. Oder vielleicht wünsche ich mir auch, dass das mit dieser Person nochmal geht. Auch wenn ich gerade weiß, dass das nicht möglich ist oder nur in den absolut seltensten Fällen nötig ist, kann das Wehmut oder Melancholie auslösen und auch die darf ich fühlen und ernst nehmen. Denn Gefühle wollen ja zwei Dinge, uns auf etwas aufmerksam machen und gefühlt werden. Insofern darf ich das durchaus ernst nehmen. Also in diesem Punkt ist die Lösung Verständnis für alle und alles. Also jedes Gefühl darf sein. Jede Überforderung, ich kann jetzt damit nicht dealen, weil ich so verliebt bin und ich möchte das genießen. Alles ist okay, solange ihr miteinander im Gespräch seid und Rücksicht nehmt und euch, wenn das dann mit dieser Person nicht mehr geht, eben Unterstützung von anderen Menschen sucht. Grenzen und Absprachen sollten auf jeden Fall trotzdem beachtet werden. Allerdings wäre es natürlich schön, wenn Ausnahmen genehmigt werden. Also wenn ich zum Beispiel die fixe Vereinbarung habe, wir sehen uns einmal die Woche dienstags und dann fällt das halt aus, dann darf ich wegen einer NRE-Person, dann darf ich damit auch durchaus mal wohlwollend sein und eben das erlauben. Und das nicht gleich als Beziehungsaussage sehen oder eine Veränderung, Also dann ist alles kaputt, wenn die Absprache nicht mehr gehalten wird. Nein, das darf mal sein, aber es darf natürlich dann nicht zur Regel werden und schon gar nicht konsentlos und kommentarlos. Also wenn dann festgestellt wird, eigentlich einmal die Woche schaffe ich im Moment gar nicht, dann darf man darüber reden oder dann dürfen die Menschen darüber reden, ob das nun passt oder nicht. Aber das dann einfach stillschweigend zu verändern, weil ich Angst vor dem Konflikt habe, aber das ist halt nicht günstig. Und ich darf die zeitlichen Komponente beachten, weil NRE ist ja endlich die größte Verliebtseinsphase. Das bleibt meistens nicht länger als sechs Wochen. So dieses, ich kann gar nicht mehr schlafen und habe unendliche Energie. Manchmal hält es sich ein bisschen länger und dann kommt so eine Glücklichkeitsphase. Und spätestens nach drei Jahren ist das entweder vorbei oder es schlägt in Liebe um, weil NRE ist ja auch immer deswegen so aufregend, weil es eben so unsicher ist. Und da darf ich durchaus beachten. Es geht irgendwann von alleine vorbei, egal, was ich mache. So, dann komme ich jetzt zur Zusammenfassung. Also wir hatten das erste Phänomen, Freundschaft versus Partnerschaft. Und ich finde, da die Freundschaft für die psychische Gesundheit so wichtig ist, darf ich da durchaus umdenken und auch die Freundschaft priorisieren und nicht automatisch davon ausgehen, dass die Partnerschaft alles entscheidet. Das zweite Phänomen war die Frage, darf ich Sex bei der Kalenderbetreuung mit berücksichtigen? Und ich würde sagen, hell yeah, ich darf nur dabei auch Rücksicht nehmen. Und darf da durchaus eine Klarheit haben. Und als drittes die Auswirkungen von NRE auf das ganze System. Da würde ich euch ganz viel Verständnis wünschen auf allen Seiten, weil das ist eigentlich was wirklich Wunderbares. Und manchmal ist es ja vielleicht auch ganz schön, wenn ich dadurch, dass mein Beziehungsmensch verliebt ist, ein bisschen mehr Platz im Kalender habe. Okay, was ist jetzt das Fazit der heutigen Praxisfolge? Also erstmal darf Sex für die Zeitgestaltung eine Rolle spielen. Ja, Leichtigkeit und Spaß darf es auch. Also all die Sachen, die ich wichtig finde, dürfen bei der Zeitgestaltung eine Rolle spielen und je transparenter, früher und ehrlicher ihr mit den Menschen seid, desto mehr authentische und langfristige Bindungen habt ihr, selbst wenn es am Anfang Konflikte hervorruft. Alles darf und sollte immer wieder angepasst werden, weil Dinge verändern sich ja. Selbst wenn ich monogam lebe und eine 25-jährige Partnerschaft habe, es gibt neue Menschen, die in meinem Leben eine Rolle spielen, Arbeitskollegen, Verwandte, Freunde. Das darf ich immer wieder anpassen. Ich kann Erkenntnisse übertragen. Also ja, Partnerschaften behandle ich natürlich anders als Freundenschaften. Das finde ich selbstverständlich. Und ich kann trotzdem das eine auf das andere ein bisschen übertragen und von meinen Erfahrungen profitieren. Und ich darf mich immer ernst nehmen. Ja, die Gesellschaft mag das anders sehen. Meine Herzensmenschen mögen das anders sehen, aber ich darf meine Meinung haben. Und solange ich nicht absolut rücksichtslos bin, ist es immer gut, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen, weil es am Ende, nach dem Ende des Konflikts, eigentlich immer mehr Nähe bringt. So, und jetzt danke ich dir fürs Zuhören. Ich würde mich total freuen, wenn du irgendwo in einem Forum oder in Gesprächen auf einer Party dich an diese Podcast-Folge erinnerst, dass du sie auch empfiehlst und eine Lobhudelei darüber machst, was daran toll ist. Du darfst uns die Lobhudelei natürlich auch gerne schicken. und jetzt wünsche ich dir einen ganz fantastischen Tag. Bis dann!
Rena
00:22:48
Das war die erste Folge, die ich für MoPoCo geschnitten habe. Ich bin Rena und neu im Podcast-Team. Wenn euch die Folge gefallen hat und ihr etwas für euch mitnehmen konntet, freue ich mich, wenn ihr auch künftig wieder reinhört. Bis bald!
Sonja Jüngling
00:23:06
Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt.

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